Hahnenfurth: Ein Bahnhof erwacht aus dem Dornröschenschlaf

Hahnenfurth: Ein Bahnhof erwacht aus dem Dornröschenschlaf

Seit drei Jahren lässt Moritz Iseke den Bahnhof Hahnenfurth sanieren. Dort entstehen jetzt Wohnungen.

Hahnenfurth. Vor dem alten Bahnhofsgebäude liegen halb vergraben einige alte Fliesen, die den ehemalige Bodenbelag noch erahnen lassen. Moritz Iseke, der den Bahnhof Hahnenfurth seit drei Jahren renovieren lässt, legt die Fundstücke sorgfältig zur Seite. Der Hausherr betont beim Rundgang immer wieder, dass es ihm wichtig sei, die Geschichte der 1879 eingeweihten Immobilie beizubehalten. Obwohl die gefundenen Bodenfliesen wenig belastbar seien, müssten solch charaktergebende Fundstücke aufbewahrt und in der Planung berücksichtigt werden, sagt Iseke.

Foto: Fries, Stefan (fr)

Dass sich der Bauherr mit dem Haus und dessen Geschichte grundlegend auseinandergesetzt hat, lässt sich schon anhand der erhaltenen Wände feststellen. „Um das Gute wieder hervorzuholen, muss man häufig in der Vergangenheit forschen“, erklärt Iseke und zeigt auf die ohne Zusätze angerührte, schimmelhemmende Kalkfarbe.

Nachdem der Bahnhof zu Beginn der Sanierung trockengelegt werden musste, schlug Iseke in alten Büchern und Forschungsberichten nach, um dank einer alten Technik und sieben Farbaufträgen Feuchtigkeit in Zukunft vorzubeugen.

Darüber hinaus bekam die Außenwand einen warmen, gelb-gold farbigen Anstrich verpasst, der die Umgebung erhellen soll. „Auch die Nachbarn freuen sich sehr, dass das Haus aus seinem Dornröschenschlaf erweckt wird“, sagt Iseke, dem es am Herzen liegt, dass die neuen Mieter und die alten Nachbarn, die unter anderem im ehemaligen, aber sanierten Aborthaus wohnen, zusammenpassen. Den neuen Bewohnern bietet Iseke aber auch die Möglichkeit, ein Wörtchen bei der Raumgestaltung mitzusprechen.

Innerhalb der vergangenen drei Jahre wurden neben dem Einbau von Leitungen, Schallschutz, Isolierung oder Eigenstromversorgung auch Außensteine im alten deutschen Reichsformat aus Polen und Ostdeutschland angeschafft. Außerdem wurden drei alte Lichtschachtroste für Kellerschächte von einer Vohwinkeler Firma nachgefertigt, um das Ambiente von 1879 beizubehalten.

Doch Einiges, wie zum Beispiel die Auslegung von Granitfußboden im Keller muss noch getan werden. Iseke hat trotzdem Spaß daran. „Es bereitet mir mehr Spaß als ich graue Haare davon bekomme. Meine Familie ist generell in alte Gebäude verliebt“. Belohnt wurde diese Liebe auch durch einige interessante Funde, wie Iseke sztolz erzählt. Da war etwa der alte Revolver, den er in einer Mauer entdeckte. Oder auch der elf Meter tiefe Brunnen mitsamt zweier Stollen, die Iseke bereits erkundet hat.

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