Freiwillige Gefangenenbetreuer: Kleine Lichtblicke im Gefängnis-Alltag

Freiwillige Gefangenenbetreuer: Kleine Lichtblicke im Gefängnis-Alltag

Wie Freiwillige als Gefangenenbetreuer für Inhaftierte in der Justizvollzugsanstalt Vohwinkel da sind.

Vohwinkel. Alle zwei Wochen geht Friedhelm Meiners ins Gefängnis. Freiwillig. Er gibt seinen Personalausweis ab, passiert eine Schleuse und schwere Stahltüren, bis er schließlich in einen sehr kleinen Raum gelangt. Dort wartet ein Mann auf ihn. Ein verurteilter Straftäter, der in der JVA Vohwinkel seine Haft absitzt. Meiners ist mit dem Mann weder verwandt noch befreundet — dennoch ist er sein häufigster Besucher.

Denn Friedhelm Meiners ist ehrenamtlicher Mitarbeiter der Caritas und dem Häftling als Begleiter zugewiesen. Eine spezielle Beziehung, denn der Gefangene hat sonst niemanden, der ihn besucht: „Ich bin eigentlich sein einziger Gesprächspartner und auch Unterstützer für viele Themen“, so Meiners.

Hildegard Leber betreut seit 1998 für den Katholischen Gefängnisverein Freiwillige, die Gefängnisinsassen begleiten. „Die Arbeit der Ehrenamtlichen ist unglaublich wichtig“, sagt sie. Denn im Gegensatz zu den JVA-Mitarbeitern seien sie neutral. „Sie stehen nicht für das Gefängnis, und alle Gespräche sind vertraulich.“

Meiners hat nach Antritt seiner Rente mit der Arbeit im Gefängnis begonnen. „Ich wollte mich engagieren und habe eine Dokumentation über die Ehrenamtlichen hier gesehen“, erzählt er. Es habe ihn gereizt, noch einmal eine ganz neue Erfahrung zu machen. Mittlerweile begleitet er den dritten Inhaftierten. „Alle haben ein sehr großes Mitteilungsbedürfnis“, sagt er.

Das kann Christiane Merz bestätigen. Sie koordiniert die Arbeit der Ehrenamtlichen für die JVA. „Einige Gefangene bekommen keinen Besuch. Sie wollen mal ein normales Gespräch führen.“ Deshalb lässt Meiners seine Gesprächspartner einfach reden: „Sie sprechen über ihren Alltag, Ängste oder Wünsche für die Zeit nach der Entlassung, aber auch über ihre Taten.“ Dann sei es wichtig, nicht zu werten. „Der Mann hat ein Verbrechen begangen. Dafür ist er schon verurteilt, das muss ich nicht tun.“

Vielmehr sollen die Ehrenamtlichen den Gefangenen Halt geben, erklärt Leber: „Oft fehlt diesen Menschen schon ihr ganzes Leben lang Sicherheit und Verlässlichkeit“, sagt sie. „Mit den Treffen haben sie eine Konstante und im Freiwilligen einen zuverlässigen Partner.“ Außerdem könnten sie so ihr Leben und auch ihre Straftaten oft besser reflektieren.

Meiners weiß um seine Bedeutung: „Das wichtigste ist wirklich, nichts zu versprechen, das man nicht halten kann. Solche Enttäuschungen sind sehr schlimm für die Gefangenen. Denn oft sind die Gespräche der einzige Lichtblick im Gefängnisalltag.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung