Quartiersentwicklerin verlässt den Eckbusch

Quartiersentwicklerin verlässt den Eckbusch

Die Awo bemüht sich um eine rasche Nachfolge für Isabell Spahn. Das Projekt im Viertel läuft schließlich noch ein Jahr weiter.

Eckbusch. Rückschlag für die positive Entwicklung am Eckbusch? Nach nicht einmal zwei Jahren verlässt Isabell Spahn den Eckbusch als Quartiersentwicklerin. Ende des Monats ist Schluss. „Ich werde mich beruflich verändern“, verrät die 28-Jährige der WZ. Die gebürtige Wittenerin zieht es wieder ins Ruhrgebiet zurück. „Ich wechsele die Branche und arbeite künftig im Gesundheitswesen“, sagt Spahn.

Die wohl größte Sorge der Anwohner kann genommen werden: Spahns Projekt, die Quartiersentwicklung in Eckbusch und Siebeneick, läuft noch ein Jahr weiter — hoffentlich schon bald mit neuer Koordination. Das bestätigt auch der Projektträger. Frank Gottsmann, Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Wuppertal, sagt: „Wir werden die Stelle auf jeden Fall neu besetzen. Die Ausschreibung läuft bereits.“ Doch ob diese bereits zum 1. Juli, wenn Isabell Spahn Wuppertal verlässt, besetzt sein wird, das hänge vom Bewerbungsverfahren ab.

Was lässt sich am Eckbusch verbessern, um das Viertel, gerade für ältere Menschen, lebenswert zu machen? Dieser Frage ging Isabell Spahn seit ihrem ersten Arbeitstag im August 2015 nach. Drei Aufgabenfelder hatten sich schnell herauskristallisiert: die fußläufige Nahversorgung mit Lebensmitteln, ein Treffpunkt im Stadtteil und die Barrierefreiheit. Seit Spahns Antrittsbesuch hat sich einiges getan. Der Cap-Markt am Ringelbusch, der auch dank des Engagements des Bürgervereins mit auf den Weg gebracht werden konnte, löste gleich zwei Probleme. Hier kauft das Viertel ein und hier trifft es sich zum Kaffee. „Der Bäcker ist für viele ein Treffpunkt geworden“, sagt die Quartiersentwicklerin.

Im Bereich Barrierefreiheit ist das Viertel noch nicht am Ziel. „In einem der Häuser sollen elektronische Türöffner kommen. Das sollte auf andere Hochhäuser ausgeweitet werden“, sagt die 28-Jährige. Auch der Umbau der Fahrstühle — die in vielen Fällen noch auf der Zwischenetage halten und damit vor Treppen — sei noch erstrebenswert.

Ein weiteres Arbeitsfeld für Spahns Nachfolger wird das Gemeindezentrum Eckbusch sein, das vor einem Finanzierungsloch von 24 000 Euro steht und daher von der Schließung bedroht ist. „Das wäre eine kleine Katastrophe“, sagt die Projektmanagerin. „Da passiert schließlich vieles, dass nicht mehr nur mit Kirche zu tun hat.“ Als Beispiele nennt Spahn die Treffen von Sportgruppen und Malkursen.

Die Realisierung einer Gesundheitswoche mit vielen Informationsveranstaltungen zum Thema und die Verschönerung der Verteilerkästen im Viertel — das waren zwei Ideen, die die Quartiersentwicklerin noch auf der To-Do-Liste hatte. Sie könnten noch in dem verbleibenden letzten Jahr in Angriff genommen werden. Das Eckbusch-Projekt wird vom Land für drei Jahre gefördert. Danach ist Schluss.

„Das war nie anders geplant“, sagt Frank Gottsmann von der Awo. Wichtig sei es daher, dass der neue Quartiersentwickler sich um die Nachhaltigkeit der angestoßenen Prozesse kümmere. Wobei bereits jetzt „Sachen geschaffen wurden, die bleiben“. Beispiele dafür seien etwa der Cap-Markt oder der Nachbarschaftströdelmarkt.

Isabell Spahn sagt das, was alle sagen, die sich von einem Job verabschieden, den sie gerne gemacht haben: „Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge.“ Viele Bewohner seien traurig gewesen, als sie erfuhren, dass die Quartiersmanagerin dem Viertel den Rücken kehrt. „Und sie haben sich gefragt, wie es weitergeht.“ Übergangsweise nimmt Spahns Awo-Kollege Markus Roeser per E-Mail Anfragen und Feedback entgegen (roeser@awo-wuppertal.de). Die Zukunft des Stammtischs, der am 26. Juni ein letztes Mal mit Isabell Spahn läuft, ist ungewiss. „Mein Wunsch wäre, dass der Bürgerverein ihn übernimmt“, sagt Spahn. Das wäre dann wieder so eine angestoßene Maßnahme, die zum Selbstläufer wurde.

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