Freibad Mirke wird zum Wunderland

Am Wochenende wurde die Pool-Eröffnung gefeiert. Für die Besucher gab es zudem Informationen zu Urban Gardening.

Mirke. 166 Jahre Freibad Mirke — diesen krummen Geburtstag feierte der Betreiberverein Pro Mirke am vergangenen Samstag mit einer „Sommersause“. Bühnen für Live-Musik und Theater waren aufgebaut. Es gab einen Grill und vegetarische Küche. Während sich die Erwachsenen auf Sitzbänke und Liegewiese verteilten, war die Pool-Eröffnung das Beste für die Kinder. Der Pool ersetzt das noch immer leere große Freibad-Becken. Auf 80 Kubikmetern planschten, spielten und schwammen sie.

Wie war das Wasser? Emilia (11) nickte. „Gut!“ Strahlender Sonnenschein sorgte für eine angenehme Temperatur. Emilias Mutter Miriam Macdonald blieb mit dem jüngeren Sohn in Pool-Nähe. „Wir würden uns freuen, wenn es hier wieder ein Freibad gäbe“, sagte sie. Bezirksbürgermeisterin Gabriela Ebert sah das genauso. Als Kind sei sie selber oft im Bad gewesen. „Ich finde es wichtig, dass die Jugendlichen hier wieder einen Treffpunkt haben. Aufsicht über das bis zu einem Meter tiefe Becken hatten zwei junge Männer, die auf dem breiten Beckenrand unterm Sonnenschirm saßen. „Sind die Kinder brav?“ — „Bisher schon“, antwortete Robert Mokroß gut gelaunt. Im vergangenen Jahr hatte der 24-Jährige, der den Rettungsschwimmer-Schein der DLRG hat, noch bei der Badeaufsicht „ausgeholfen“. „Jetzt bin ich fest eingeplant“, erklärte er. Bis zum Ende der Saison Ende August wird er an den Wochenenden sicher noch genug zu tun haben.

Sein Onkel Heiner Mokroß, Vorsitzender des Pro Mirke-Vereins, will das große Becken so bald wie möglich wieder für den Badebetrieb nutzen. „Das Fernziel ist ein Naturfreibad“, machte er klar. In Zukunft solle es hier ökologisch zugehen. „Die Reinigung und Desinfektion erfolgt dann durch natürliche Prozesse“, erklärte er, „durch Boden- und Pflanzenfilter.“ Mit dem chlorfreien Betrieb könne man durchaus an die Geschichte der Mirke andocken. So habe die „Lebensreform“-Bewegung in den Zwanzigerjahren die Anlage als „Licht-, Luft- und Sonnenbad“ betrieben.

Mag das Naturbad noch ein Zukunftsprojekt sein — den naturbelassenen Garten gibt es bereits. Oberhalb des Wasserbeckens wachsen Kräuter, Gemüse und Obst. Lutz Kohaupt zeigte ein paar Besuchern seinen Hobby-Garten. „Das können Sie mal probieren“, sagte er und wies auf ein Beet mit Minze. Für sich pflückte er einen Mix aus Minzblättern, Knoblauch, Salat und Salbei.

Manfred Finke berichtete von den Anfängen des „Urban Gardening“: „Da hab ich 2015 viel Zeit investiert. Den Boden aufzubereiten war eine große Aufgabe. Es ist geschafft.“ Das nötige Wasser kommt aus einem Brunnen neben den Gartenparzellen. Die alte Eiche auf der anderen Seite hat Finke genutzt, um eine Schaukel anzubringen. Damit hatten die Kinder, die nicht ins Wasser wollten, einen alternativen Spielplatz.

Zum „Sommersausen“-Programm gehörte, dass das leere Becken zum Spielort wurde. Auf Bühnenbrettern improvisierte die Theatergruppe von Pro Mirke. Das Becken selbst wurde von Piet Biniek und zwei Künstlerkollegen bespielt. „Mister Alice geht mit dem Hasen spazieren“ nannte Biniek einen Auftritt mit Hasenmaske und Kostümen. Da wurde das Freibad Mirke zum Wunderland.

Zuschauerin der Performance war auch Ulrike Hörster. Dem Freibad Mirke ist sie — der zwischenzeitlichen Schließung zum Trotz — immer treu geblieben. Hier traf sie vor über 40 Jahren ihren späteren Ehemann. Ihre Kinder kamen zum Schwimmen. Als sie nach vorne blickte, fiel ihr auch noch etwas ein: „Ich möchte gerne meinen 80. Geburtstag hier feiern. Das wär doch was.“