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Beruf Koch: Ausbildung für Stresserprobte

Beruf Koch: Ausbildung für Stresserprobte

Die 21-jährige Katharina Schiemer beendet derzeit ihre Ausbildung zur Köchin.

Brill. Bald sind drei Jahre vorbei, dann ist Katharina Schiemer ausgebildete Köchin. Momentan verbringt sie ihre letzten Tage in ihrer Ausbildungsstätte — der Schützengesellschaft am Brill. Sie erwarten an diesem Freitag mittags eine Trauerfeier, zur gleichen Uhrzeit ist der Rotary Club da, später danach findet noch ein Kochkurs statt — arbeiten bis abends, wenn andere frei haben. Für die Auszubildende ist das okay, das gehört dazu. An anderen Tagen sei es wieder besser. Aber viele schreckt das auch ab, den Beruf zu erlernen, weiß Katharina Schiemer.

Zwar sehen die offiziellen Zahlen nicht schlecht aus für die Arbeitgeber: So waren Ende April 19 Ausbildungsstellen für Köche gemeldet, 42 Jugendliche suchten. Aber Christian Jäger vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) weiß: „Es wird zunehmend schwierig, insgesamt gibt es weniger Bewerber und davon sind immer weniger qualifiziert“, sagt er. Dazu komme die hohe Abbruchquote. Oftmals scheitere eine Ausbildung in dem Gewerbe schon an den Grundtugenden: Ehrlichkeit, Fleiß und Pünktlichkeit. Dazu gehörten die Grundkenntnisse in Mathe und Rechtschreibung.

Die 21-Jährige steht vor dem Regal, dass schon zur Hälfte mit belegten Schnittchen gefüllt ist: Mit dem Finger zählt sie: Es sollen 142 pro Sorte sein, das sind jeweils fünf Bleche. „Ehrgeiz, fit im Kopf, stark sein“, das sind laut Katharina Schiemer die Voraussetzungen für den Beruf.

Bei Katharina überwiegen die Vorteile am Beruf. Ihr Vater besitzt eine Metzgerei und ein Cateringunternehmen, sie kennt die Branche von klein auf: „Ich finde es schön und spannend zu sehen, was man aus limitierten Möglichkeiten machen kann“, schließlich könne man den Beruf auch nicht neu erfinden, aber man kann kreativ sein. Auch das Drumherum gefällt ihr: das Essen zu präsentieren, die Dienstleistung.

Falls der Beruf für jemanden in Frage kommt, empfiehlt Jäger ein Schnupperpraktikum. „Das ist der beste Weg um herauszufinden, ob ein Beruf zu jemanden passt“, sagt er.

Aber auch im Bewerbungsgespräch schildere man sehr ehrlich, was da auf einen zukommt, dass es körperlich anstrengend ist, abends gearbeitet wird und es viel Hektik gibt.

Nicht zu vergessen sei der Diensleistungsgedanke, damit müsse man leben. Dafür sei der Beruf spannend und abwechslungsreich. Außerdem, so Jäger, ist die deutsche Ausbildung international anerkannt.

Katharina möchte sich jetzt erst einmal mit einer Deutschlandreise belohnen — danach will sie an die Uni und in Heilbronn Foodmanagement studieren.