Stadt kämpft gegen ein graues Zukunftsszenario

Stadt kämpft gegen ein graues Zukunftsszenario

Vortragsreihe Transformationstandem von Uni und Wuppertal Institut setzte sich mit der Pflege von Straßenbäumen auseinander.

Elberfeld. Das Wuppertaler Stadtbild ist durch zahlreiche Grünflächen geprägt. Doch gerade im Stadtbereich sind die Bäume Wuppertals einem enormen Stress ausgesetzt. Das fünfte „Transformationstandem“, der von der Bergischen Uni und dem Wuppertal Institut organisierten Vortragsreihe, widmete sich am Dienstagabend in der evangelischen Citykirche der Frage, welchen Problemen die Stadtbäume ausgesetzt sind und was die Stadt Wuppertal zu ihrer Pflege und Erhaltung unternimmt.

Christian Arlt, Abteilungsleiter der Grünflächenunterhaltung-Ost

„Wenn Sie an Wiedergeburt glauben und im nächsten Leben als Straßenbaum zurückkommen, dann haben Sie wohl etwas falsch gemacht“, eröffnete Gertrud Lohaus nach einer Einführung durch Oscar Reutter ihren Vortrag. Die Biologieprofessorin hat auf dem Hauptcampus Grifflenberg der Bergischen Universität ein Arboretum aufgebaut und weiß um die Schwierigkeiten, die bestimmte Bodenbeschaffenheiten für das Wachstum der Bäume mit sich bringen.

Die zunehmende Hitze, Trockenheit und Schadstoffbelastung der Luft sorgen für eine Bodenverdichtung, was den Bäumen zusätzlich zum sinkenden Grundwasserstand die Wasseraufnahme erschwert. „Wir haben einen enormen Einfluss auf unsere Umwelt“, so Lohaus. „Die Natur verändert sich und die Bäume kommen bei dieser Entwicklung nicht mit.“ Hinzu kommen Sturmschäden, Hunde-Urin und Erkrankungen der Bäume durch Pilze und tierische Schädlinge. Die Folge ist das Aussterben der heimischen Baumarten, dem man Lohaus zufolge mit dem Pflanzen von neuen Arten wie dem Amberbaum und der Gleditschie entgegenwirken könnte.

Einblicke in die Praxis gab Christian Arlt, Abteilungsleiter der Grünflächenunterhaltung-Ost der Stadt Wuppertal. Mit einem Team von 14 Mitarbeitern, darunter vier Baumkontrolleure, ist er für die Pflege und Erhaltung der Stadtbäume zuständig. Wegen strenger gesetzlicher Vorgaben fließt ein Großteil des Budgets von 220 000 Euro in die Kontrolle älterer Bäume, Totholzentfernung und Fällungen zur Sicherung des Straßenverkehrs. Für das Pflanzen von Jungbäumen, das die Stadt zwischen 1500 und 2500 Euro pro Baum kostet, bleibt da kaum etwas übrig. „Dabei wäre das die wichtigste Aufgabe, um die Zukunft der Straßenbäume zu sichern“, erklärte Arlt.

Um eine natürliche Situation für die Bäume zu erhalten, werden aktuell verschiedene Baumarten innerhalb einzelner Straßenzüge gemischt. Die Standorte junger Bäume werden durch größere Baumscheiben mit genug unterirdischem Platz für Wurzeln und einem Baumsubstrat ausgestattet, das dem Boden eine Poreneigenschaft verleiht. Zudem wird eine dauerhafte Belüftung der Wurzelböden mithilfe von Kiesfiltern getestet.

Auf Reutters Bedenken, einen Kampf auf verlorenem Posten zu führen, entgegnete Arlt, Veränderung beginne im Kleinen: „Wie im städtischen gibt es auch im privaten Bereich Ansätze. Das beginnt damit, die Bäume vor der eigenen Haustür zu wässern. Wuppertal hat den Ruf als grünste Großstadt Deutschlands — und das soll so bleiben!“

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