Slawig: Seilbahn erfordert Bus-Kürzungen

Slawig: Seilbahn erfordert Bus-Kürzungen

Der Stadtkämmerer ist überzeugt, dass das Seilbahn—Projekt ohne Einsparungen im Busbetrieb nicht finanzierbar ist.

Wuppertal. Nach Einschätzung von Stadtdirektor Johannes Slawig wird das Seilbahnprojekt nur dann realisiert werden können, wenn die Wuppertaler Stadtwerke Einsparungen im Einzugsgebiet der Südhöhen bei den Buslinien vornehmen. Der Stadtkämmerer, der über den städitschen Haushalt und die Finanzen der städtischen Töchter wacht, erteilt damit allen eine Absage, die den Seilbahnbau befürworten und gleichzeitig das aktuelle Bus-Liniennetz erhalten wollen.

„Beides zusammen ist nicht finanzierbar und wird nicht vom Land NRW gefördert. Wer die Seilbahn haben will, der muss klar sagen, welche Folgen das hat“, erklärte Johannes Slawig gegenüber der WZ.

Bei der Abstimmung über das Seilbahnprojekt hatte sich die Grüne Ratsfraktion in einem Änderungsantrag, der keine Mehrheit fand, gegen die Kürzungen der Busverbindungen in der Südstadt ausgesprochen. Die Grünen fordern, dass die Buslinien für die Südstadt im Rahmen der Aufstellung eines neuen Nahverkehrsplanes neu geplant werden. Sie gehen davon aus, dass die Fahrgastzahlen der WSW bis zur möglichen Fertigstellung der Seilbahn 2024 steigen und dass das Defizit der WSW im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) kein Argument gegen den Erhalt der Buslinien ist.

Ähnlich argumentiert der Verein „Pro Seilbahn“. Von den Mitgliedern wird der Wunsch nach dem Erhalt der Buslinien mit der Hoffnung verbunden, den Fuhrpark in naher Zukunft auf ein Elektrobus-System umzustellen.

Beide Ansätze hält Johannes Slawig für unrealistisch. „Das Defizit der WSW im ÖPNV lag 2016 bei 45 Millionen Euro. Da die Einnahmen der WSW im Versorgungsbereich sinken, wird es keinen finanziellen Spielraum geben. Die WSW brauchen die finanziellen Einsparungen, um beim Betrieb der Seilbahn eine schwarze Null zu schreiben“, so der Stadtkämmerer. Der Verein „Seilbahnfreies Wuppertal“ hingegen zweifelt an, dass die schwarze Null beim Betrieb der Seilbahn ein realistisches Ziel ist. Antonino Zeidler und Ralf Geisendörfer sehen allein schon aufgrund der elf Aufzüge und zehn Rolltreppen hohe Betriebs- und Wartungskosten auf die WSW zukommen.

Einsparungen im Busverkehr müssten auf das Einzugsgebiet der Seilbahn beschränkt bleiben, erläutert Johannes Slawig. „Unabhäng von der förderrechtlichen Seite wäre es politisch nicht vermittelbar, zum Ausgleich für die Seilbahn Buslinien in Beyenburg oder Nächstebreck einzuschränken oder einzustellen. Das kann nur im gleichen Verkehrsgebiet geschehen“, sagt Slawig.

Förderwürdig sei das Projekt Seilbahn nur, wenn ein positiver volkswirtschaftlicher Effekt erzielt werde. In einer standardisierten Bewertung des Seilbahnprojektes haben unabhängige Gutachter einen Refinanzierungswert von 1,8 errechnet. Das bedeutet, dass für jeden investierten Euro 1,8 Euro in die Volkswirtschaft zurückfließen. Der positive Effekt würde bei einer Beibehaltung der vorhandenen Buslinien geringer ausfallen. Ein weiterer Grund sind umweltpolitische Aspekte. Die WSW wollen durch die Seilbahn fünf Millionen Buskilometer (Dieselbusse) einsparen.

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