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Rallye: Im 18 Jahre alten Audi bis nach Spanien

Rallye: Im 18 Jahre alten Audi bis nach Spanien

Timo Schütze und Thomas Müller nehmen an einer Rallye teil, die sie ab Samstag in sieben Tagen bis nach Barcelona führen soll.

Wuppertal. „W-TT 227“ steht auf dem Autokennzeichen, das am kommenden Freitag im Stadtbild von Barcelona auftauchen soll. Es gehört zu einem Audi A 4 Avant aus dem vergangenen Jahrtausend. Im März 1999 wurde der Wagen zugelassen und hat bei der Anschaffung vor einem Jahr 500 Euro gekostet. Das schwarz glänzende Gefährt mit den in Handarbeit angebrachten Aufklebern nimmt, abwechselnd gesteuert von Thomas Müller und Timo Schulze, an einer Rallye teil, die von Samstag an innerhalb von knapp sieben Tagen bis nach Barcelona führen soll.

500 Euro waren die oberste Preisgrenze für jedes der rund 100 Vehikel, die - meist aus Deutschland, Österreich und der Schweiz stammend - die rund 3800 Kilometer von München bis in die katalonische Hauptstadt fahren sollen. Bei einem solchen Kaufpreis sind sechsstellige Kilometerzahlen und damit verbundene Gebrechen des Alters schon vorprogrammiert.

Und so schreitet der Tacho im noch recht ansehnlichen Audi auf die 310 000 Kilometer zu — was trotz akribischer Vorbereitung, Inspektion und Checkups gewisse Gefahren birgt. So wie vor zwei Jahren, als den beiden schon auf der Anreise nach München im mehr als zwei Jahrzehnte alten Golf die Wasserpumpe kaputt ging und bis zum Start eine neue aufgetrieben und eingebaut werden musste. Wasser ist auf andere Art auch ein Problem beim alten Audi. „Bei ihm steht es unten im Fußraum“, hat Timo Schulze nach den Regengüssen der vergangenen Tage festgestellt. „Und die aufsteigende Feuchtigkeit wirkt sich negativ auf die Zündung aus.“ Da kann es nur positiv sein, dass man Richtung Süden fährt.

„Dass da ständig etwas ausfallen kann, macht den Reiz und den Nervenkitzel der Rallye aus“, sagt Thomas Müller grinsend. Vor drei Jahren hat er mit Schulz an einem Glühweinabend zu fortgeschrittener Stunde die Teilnahme an der Abenteuer-Tour vereinbart. „Wir haben die Hand drauf gegeben. Und das bindet“, so Schulz. Der Preis des Autos darf zwar die 500 Euro nicht überschreiten — aber es darf durchaus das eine oder andere Teil ersetzt werden. „Wir haben viel Geld, Mühe und Arbeit in den Audi gesteckt. Da gab es schon diverse Defekte an Motor, Karosserie, Achse und Elektrik zu reparieren“, verrät der Elektrotechniker Müller. „Wichtig war uns auch, dass wir nach dem inzwischen durchgerosteten und verschrotteten Golf, der nur 400 Euro gekostet hat, einen Kombi gekauft haben. Da herrscht nicht so eine drangvolle Enge.“

Von München geht es am Samstagmorgen los in sieben Etappen, die jeweils angesteuert werden müssen und an denen ihnen dann die Pläne für das neue Teilstück übergeben werden. „Die Pläne sind manchmal etwas rätselhaft ausgedrückt. Das ist aber Absicht“, so Timo Schulze, im Zivilberuf Bauleiter, der die Hotels am Etappenziel jeweils am gleichen Tag bucht. „Ob wir an dem Ziel des nächsten Tages ankommen, ist ja ungewiss.“ Beim Fahren wechseln die beiden sich ab. „Ohne feste Regeln. Wenn einer von uns beiden müde wird, fährt eben der andere.“

Das Team soll am ersten Tag Arona in Italien, am zweiten Nizza in Frankreich, dann die reizvolle Camargue, Andorra la Vella, Pamplona, Teruel und schließlich Barcelona erreichen. Aber zunächst geht es am Freitag nach München gehen. „Da wollen wir auf jeden Fall noch das Deutsche Museum besuchen.“ Und da sicher Exponate bewundern, die noch um einiges älter sind als der Audi aus dem vergangenen Jahrtausend.