Wuppertal: Oper mit Vorfreude auf acht Premieren

Wuppertal : Oper mit Vorfreude auf acht Premieren

Intendant Berthold Schneider hat ein abwechslungsreiches Programm erstellt.

Als Berthold Schneider vor vier Jahren als Intendant der Wuppertaler Oper gewählt wurde, musste er hier ganz von vorne anfangen. Es gab kein festes Ensemble und kaum Personal hinter der Bühne. Die Räume wirkten wie leer gefegt. Das einst über die Landesgrenzen hinaus bekannte Haus nahm außerhalb der Stadt kaum jemand mehr wahr. Binnen kurzer Zeit hat sich dieser Zustand aber umgekehrt. Eine zwar kleine, aber immerhin sehr feine Sängerriege, hat er neu aufgebaut. Und die Inszenierungen populärer, ungewöhnlicher und weniger bekannter Musiktheaterstücke lassen wieder überregional aufhorchen. Auch in der kommenden Spielzeit bleibt er seinem Konzept mit dieser Mischung treu. Gehaltvoll ist das erfolgversprechende Programm, das wie in den vergangenen Spielzeiten bestimmt nicht nur die treuen Opernfans, sondern auch andere Neugierige anziehen wird.

Auf acht Premieren und zwei Wiederaufnahmen kann man gespannt sein. Los geht es am 15. September mit zwei Werken von Igor Strawinsky: die Tanzkantate „Les Noces“ (Die Hochzeit) und das Opern-Oratorium „Oedipus Rex“. Thematisiert wird der antike griechische Ödipus-Mythos mit einem Erzählstrang über beide Werke. Schneider dazu: „Das ist eine kraftvolle Story“. Inszenieren wird den Doppelabend der russische Regisseur Timofey Kulyabin, der hier bereits mit seiner „Rigoletto“-Arbeit sehr erfolgreich war.

Auch Immo Karaman kommt am 2. November als Regisseur von Gioacomo Puccinis populärer Oper „La Bohème“ (2. November) wieder. Auch Gaetano Donizettis Opera buffa „Der Liebestrank“ dürfte in aller Munde sein, die am 22. Februar auf die Bühne gehoben wird. Stephan Prattes zeichnet für die Inszenierung verantwortlich. Er debütiert hier damit als Opernregisseur. Bekannt ist er aber bereits als Bühnenbildner der „Rocky Horror Show“.

Schneider hat die Moderne
nicht außer Acht gelassen

Daneben hat Schneider die Moderne nie außer Acht gelassen. Dieses Mal ist es ein Werk des großen italienischen Komponisten Salvatore Sciarrino: „Il canto s’attrista, perche?“. Wie bei Strawinsky geht es dabei um griechische Mythen, dieses Mal mit Klytämnestra aus Mykene als Protagonistin. Die deutsche Erstaufführung findet am 8. Mai statt, nachdem das Stück vom Stadttheater Klagenfurt aus der Taufe gehoben wurde. Es ist eine Koproduktion mit diesem Haus.

Außerdem erfährt die Community-Oper ihre Fortsetzung. Hebt sich am Ende dieser Spielzeit (5. Juli) der Vorhang für Jonathan Doves „Das Labyrinth“ mit rund 260 Laiendarstellern (Schulchöre, Projektchor, Kinderchor, die beiden Wuppertaler Kurrenden, Bergische Musikschule), erfährt die Reihe mit Benjamin Brittens Oper „Ein Sommernachtstraum“ am 20. Mai eine weitere Auflage.

Wieder aufgenommen werden Wolfgang Amadeus Mozarts „Die Hochzeit des Figaro“ (13. Oktober) und das Musical „My Fair Lady (1. März). Apropos Musical: Die Fans dieser Gattung dürfen sich freuen, wenn Andrew Lloyd Webbers Rockoper „Jesus Christ Superstar“ am 20. Dezember ins Opernhaus kommt als Übernahme vom Oldenburgischen Staatstheater.

Das Festival „Sound Of The City“ wird nächstes Jahr fortgesetzt, dieses Mal passend zum Engels-Jahr mit dem Titel „Arbeit?“.

Schneider freut sich, dass das neue Projekt „NOperas!“ vom NRW Kultur-Sekretariat und von der Kunststiftung NRW hier Premiere feiert. Er erklärt: „Drei Theater – Wuppertal, Halle, Bremen – tun sich für drei Jahre und drei Uraufführungen zusammen. Das erste Stück heißt „Chaosmos“. Es feiert hier am 11. Januar Premiere und wandert anschließend als Work in Progress mit dem Regieteam zu den anderen Häusern“.

Besonders stolz ist Schneider auf das neu gegründete Opernstudio, das er auf den Weg gebracht hat. An ihm sind auch die Theater in Gelsenkirchen, Dortmund und Essen beteiligt. Schneider dazu: „Ab dem Sommer nehmen sieben Sänger und zwei Pianisten daran teil. Sie werden auf die vier Häuser verteilt und wirken gleichberechtigt an den Produktionen mit. An sechs hochkarätigen Masterclasses dürfen sie teilnehmen und treten zudem im Rahmen der Liederabende auf“.

Außerdem hat sich Schneiders Education-Projekt sehr gut entwickelt: „Als ich hier anfing, war nichts da, auch kein Personal. Wir mussten von Null anfangen. Jetzt gehen wir mit Riesenschritten vorwärts. Inzwischen liegt die halbe Strecke, die ich mir vorstellte, hinter uns. Ich bin froh, diesbezüglich mit Theaterpädagogin Svea Schenkel eine tolle Mitarbeiterin im Haus zu haben“. In diesem Zusammenhang ist ab 23. Februar das Kinderstück „Nils Karlsson Däumling“ zu erleben.

Mehr von Westdeutsche Zeitung