Durch Afrika mit dem E-Motorrad - mit Stopp in Wuppertal

Tour : Durch Afrika mit dem E-Motorrad

In Wuppertal starten Thomas Jakel und Dulcie Mativo ihre Reise von Marokko bis Südafrika.

Das erste Mal tankt Thomas Jakel sein Elektro-Motorrad an der Ladesäule der Station Natur und Umwelt auf, das nächste Mal dann in Afrika. Der 32-Jährige nennt sich selbst „Projekte-Macher“ und ist auf der Suche nach neuer Inspiration in Afrika. In wenigen Tagen setzen er und seine Partnerin Dulcie Mativo (25) von Südspanien nach Marokko über und durchqueren von dort aus 20 afrikanische Länder mit dem Ziel Kapstadt – und das mit dem E-Motorrad.

Die Abenteurer wollen einen Dokumentarfilm drehen

Auf dem Weg, für den die Abenteurer sechs Monate kalkuliert haben, wollen die Berliner 100 Interviews führen und am Ende einen Dokumentarfilm darüber zusammenschneiden. Der soll ein ganz anderes Afrika zeigen, als es weitläufig bekannt ist. „Über die ganzen Innovationen im Land wird nicht viel gesprochen“, sagt Jakel. Das weiß der Unternehmer, der selbst afrikanische Wurzeln hat, von diversen Reisen nach Afrika. In Ghana etwa stieß er auf ein Unternehmen, dass den Bauern vor Ort Traktoren per App zur Verfügung stellt, so wie hierzulande mit dem Handy ein Uber oder Taxi geordert wird. „Solche Leute möchte ich interviewen“, sagt Jakel.

Warum das Duo auf dem Weg von Berlin nach Spanien ausgerechnet an der Station Natur und Umwelt Halt gemacht hat? Nun, die Ladesäule war ein netter Bonus. Aber in Wirklichkeit steckt eine persönliche Verbindung dahinter: die zu Stations-Vorsitzendem Peter L. Engelmann. Der lud Jakel und Mativo nicht nur zum Tanken ein, sondern auch dazu, ihr Projekt vor Ort einer Schulklasse des Carl-Fuhlrott-Gymnasiums vorzustellen.

Die Gelegenheit nahmen die Reisenden gerne an, schließlich will Jakel nicht nur Inspirationen sammeln, sondern zudem auch Denkanstöße weitergeben. Und so ermunterte er die Schüler des Kurses „Mensch, Gesundheit, Umwelt“ der Stufe 8 selbst auch mal ihren Instinkten zu folgen und vielleicht aus den vorgegebenen Bahnen von Schule, Studium und Beruf auszubrechen. „Meine Mama hat gesagt, du musst was lernen und brauchst einen Job. Kommt euch das bekannt vor?“, fragte er die Schüler. Er selbst hat’s mit BWL-Studium und einem Praktikum bei einer Bank probiert, habe aber nicht den ganzen Tag auf einen Laptop starren wollen. Inzwischen hat er mit einem Freund seine eigene Online-Firma gegründet und versucht wasserfreie „Eco-Toiletten“ unters Volk zu bringen.

Eine Idee, die ihm 2012 gekommen ist. In diesem Jahr haben Jakel und Mativo bereits eine „Testfahrt“ für das Afrika-Abenteuer absolviert, mit dem sie ihre Belastbarkeit unter Beweis gestellt haben. „Wir sind mit dem Fahrrad von Berlin nach Indien gefahren“, berichtet Jakel. Und die größte Lektion, die er jetzt mit nach Afrika auf die 15 000 Kilometer lange Strecke mit nimmt: „Man kann nicht alles planen. Wichtig ist, dass man trotzdem eine gewisse Gelassenheit behält.“

Das Reisen mit dem E-Motorrad gibt den Berlinern gewisse Grenzen vor. Nach maximal 300 Kilometern ist die Maschine leer und muss aufgetankt werden. „Wir haben alle möglichen Adapter mit und können das Motorrad an ganz normalen Hausanschlüssen aufladen“, berichtet Jakel. Acht Stunden dauert es dann, bis das Elektromobil wieder Saft hat. Das erfordert viel Planung.

Deshalb haben sich die Reisenden für ein Begleitfahrzeug entschieden, das eine Rückfalloption ist und mit dem sie nach Spanien fahren. „Das Ziel ist es aber, die komplette Strecke mit dem E-Motorrad zu fahren“, sagt Jakel. Das Auto erlaubt es ihnen, Kameras, Laptops und eine Drohne mitzunehmen.

Die Schüler zeigten sich an den Plänen interessiert. Lars (14) wäre einer Projekt-Reise auch nicht abgeneigt: „Hauptsache ist, man verbessert damit das Leben der Menschen vor Ort.“ Auch Lena (14) ist angetan: „Ich könnte mir so eine Reise schon vorstellen. Nur vielleicht nicht nach Afrika.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung