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Notstand in der Notaufnahme: Mehr Platz für die Kinder-Zuflucht

Notstand in der Notaufnahme: Mehr Platz für die Kinder-Zuflucht

Pädagogischer Bericht: Kiju-Gruppe wird ausgebaut.

Wuppertal. Die Plätze der Kindernotaufnahme reichen nicht mehr aus. Im vergangenen Jahr wurden 46 Kinder in Wuppertal in andere Einrichtungen vermittelt, da die Notaufnahme keine Kapazitäten mehr frei hatte.

2008 sieht es nicht anders aus: Auch in diesem Jahr werden mehr Kinder in Obhut genommen, gleichzeitig bleiben sie immer länger in der Einrichtung, wie der Pädagogische Bericht der Kinder- und Jugendwohngruppen (Kiju) belegt.

Voraussichtlich im Sommer dieses Jahres soll die Kindernotaufnahme, eine Zufluchtstätte für Mädchen und Jungen unter 14 Jahren, deshalb erweitert werden. Alle Beteiligten hätten dem bereits zugestimmt, sagte Barbara Reinke, Pädagogische Leiterin der Kinder- und Jugendwohngruppen Wuppertal (Kiju). Die Notaufnahme sei seit Monaten extrem nachgefragt. "Die Belegung ist immer konstanter hoch."

Reinke nennt mehrere Gründe für diese Entwicklung: Grundsätzlich sei die Zahl der Inobhutnahmen bei Kiju angestiegen, was auch mit dem neuen Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung und der neu eingerichteten Rufbereitschaft beim Jugendamt zusammenhängt.

Gerade über Nacht und an den Wochenenden hätten die Anfragen zugenommen, auch ließen sich immer mehr Bürger beraten. "Es wird mit einer viel größeren Aufmerksamkeit von Lehrern, Nachbarn und der Umgebung auf die Kinder geschaut", sagt Reinke.

Gleichzeitig seien die Anforderungen an die Eltern immer weiter gestiegen. "Ob Schule oder Freizeit - wer heute Kinder erzieht, muss sich in allen Bereichen fit machen. Und in einer komplexeren Anforderungswelt nimmt auch die Überforderung zu." Eine Folge: Immer mehr Eltern leiden an psychischen Erkrankungen, "weil sie einfach nicht mehr weiter wissen."

Im ambulanten wie im stationären Bereich nimmt der Bedarf an therapeutischer Hilfe stetig zu. Umso wichtiger sei die enge Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendpsychatrie Sana Klinik und der ärztlichen Beratungsstelle in Remscheid sowie der Kinderklinik in Wuppertal.

Ein weiteres Ergebnis des Pädagogischen Berichts: Die betroffenen Kinder sind über einen längeren Zeitraum in der Notaufnahme untergebracht, da erst familiengerichtliche Verfahren abgewartet werden müssen und geklärt wird, ob eine Rückführung in die Familie zu verantworten ist. Darüber müssten langwierige Gutachten-Verfahren entscheiden. "Diese Prozesse können sich verzögern. Das liegt auch daran, dass die Familiengerichte sehr viel zu tun hat", sagt Reinke.