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Wuppertal: Kulturzentrum Immanuel: Sorge um „Leuchtturmprojekt“

Wuppertal : Kulturzentrum Immanuel: Sorge um „Leuchtturmprojekt“

Das Kulturzentrum Immanuelskirche in Oberbarmen braucht eine grundsätzliche Lösung für seine finanziellen Probleme.

Das Interesse ist groß, ebenso die Einigkeit, dass das Kulturzentrum Immanuelskirche bedeutsam ist und erhalten bleiben sollte. Alles weitere aber erscheint schwierig - angesichts einer angespannten finanziellen Lage. Nun will sich der Kulturausschuss des Themas annehmen. Im Oktober beauftragte er die Verwaltung, bis zur nächsten Sitzung im Dezember Informationen für eine fundierte Diskussion zusammenzutragen. Ein Antrag der Fraktion die Linke fordert zudem die Anhörung eines Vertreters des Fördervereins Kulturzentrum Immanuel im Februar. Unterdessen haben Stadt und Trägerverein ihre Gespräche intensiviert.

Vom Juni 2015 datiert das Gutachten der Unternehmensberatung actori zum Kulturzentrum Immanuelskirche, das zuletzt die finanzielle Situation ausgiebig betrachtete. Bedrohliche Ausgangslage damals war eine drohende Insolvenz aufgrund einer Finanzierungslücke von jährlich 57 000 Euro bei Gesamtbelastungen von 313 000 Euro. Vier Szenarien wurden entworfen: 1. Optimierung des Status Quo, die nicht ohne dauerhafte Deckungslücke erreicht werden könne; 2. Übernahme des Geschäftsbetriebs durch die Stadthalle, die eine deutliche Reduzierung des Angebots im zum Kulturzentrum gehörenden ObendiekhHaus bedeuten würde; 3. Stilllegung des Betriebs und Rückzahlung von Fördergeldern und Verbindlichkeiten, die die Stadt stark belasten und die Schließung des Kulturzentrums bringen würden; 4. weitgehende Reduktion des Betriebs, die eine Auflösung des Kulturzentrums als solches zur Folge hätte. Zwei Jahre, etliche Zuschüsse und Spenden, den Verkauf des Pfarrhauses sowie weitere Reparaturen (gerade wurde die überaltete Heizung erneuert) weiter lautet die positive Nachricht: Das Kulturzentrum lebt. Passiert sei aber nichts, so der langjährige Schatzmeister des Fördervereins, Dr. Wolfgang Fehl, für den das Gutachten nur die Rechnung bestätigt hat, die man selbst aufgemacht habe.

Der Wille ist nach wie vor da, am „Leuchtturmprojekt“ im Stadtteil Oberbarmen festzuhalten, wegen seiner kulturellen Bedeutung - etwa der besonderen Akustik, der Schuke-Orgel oder auch der Architektur. Und wegen seiner Bedeutung für die Menschen vor Ort, für die es Anlaufstelle sein soll - von Feiern der griechischen Gemeinde bis hin zu Basaren oder Brautmessen. Weitere Angebote sind denkbar und auch von actori vorgeschlagen.

Die Stadt steht unter besonderem Druck. Da ist die Haushaltskonsolidierung einerseits. Und da sind andererseits Fördergelder des Landes, die im Falle einer Aufgabe der Kirche fällig wären. Beigeordneter Matthias Nocke schätzt: „Wir sprechen da von 2 bis 3 Millionen Euro, die zurückzuzahlen wären.“

Für das Kulturzentrum verfolgt er drei Ziele: Den Generationenwechsel in der Trägerschaft des Fördervereins begleiten, zur Gewährleistung des laufenden Betriebs beitragen und langfristig eine institutionelle Förderung erreichen, die über die aktuell 12 000 Euro im Jahr hinaus geht. Damit rennt er beim Trägerverein offene Türen ein. Fehl, Gründungsmitglied des Vereins und seit 40 Jahren ehrenamtlich tätig: „Wir brauchen eine vernünftige Basis für den Betrieb und einen Generationenwechsel.“ Der sei aber nur zu haben, wenn man einen Geschäftsführer einstellen und bezahlen könne. Ehrenamtlich, so wie der 80-Jährige selbst und die anderen Mitglieder im Vorstand arbeiten, würde heute keiner diesen Job machen. Basis für eine Bezahlung aber sei die institutionelle Förderung durch die Stadt. Sonst könne man sich gar nicht seriös um einen Geschäftsführer bemühen. Und da beiße sich die Katze in den Schwanz, weil eben diese Förderung nicht fest zugesagt werde. Für Fehl ist das unverständlich, trotz Haushaltssperre müsse es der Stadt möglich sein, die Gelder „ für ein Objekt mit dieser Bedeutung aufzubringen“. Und er ergänzt: „Wenn die institutionelle Förderung nicht kommt, müssen wir wohl die geordnete Insolvenz antreten.“