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Sonnborn: Kirchhofstraße: BV für Tempo 30

Sonnborn : Kirchhofstraße: BV für Tempo 30

Auch Anwohner fordern die Reduzierung. Die Stadt muss prüfen, ob das möglich ist.

Wer am nördlichen Ende der schon lange gesperrten Brücke an der Kirchhofstraße steht, bekommt ein Gefühl dafür, was die Anwohner der Bayer-Siedlung, wie sie auch genannt wird, dort kritisieren: Die Straße steigt an, entgegenkommende Autos sind schon mal „vom Gefühl her“ schneller als mit den erlaubten 50 km/h unterwegs. Weiter oben reiht sich Haus an Haus, auf der rechten Seite wachsen die Zooterrassen, das Neubaugebiet mit seinen, wenn alles fertig ist, gut 70 Häusern. Vor allem sei der Bereich ein Wohnviertel, sagen die, die dort leben — und die Politik: In einem gemeinsamen Antrag der Fraktionen von CDU, SPD, Grünen und Linke fordert die Bezirksvertretung Elberfeld-West, dass die Stadt durchgehend Tempo 30 einführt.

Für die Politik gilt das Argument Verkehrsstraße nicht mehr

Der Wunsch ist nicht neu. Sowohl Anwohner als auch Politik versuchten es in der Vergangenheit bereits mehrfach, blitzten aber bei der Stadt ab. Zuletzt hatte ein Bürger regen Mailverkehr mit der Stadt zu dem Thema und führte unter anderem die Belastung durch die Baustelle der Zooterrassen an. Doch auch er erhielt eine Absage, was viele Kommentatoren nicht nachvollziehen konnten. „Muss denn erst was passieren?“, fragten einige.

Die Kirchhofstraße sei aus Sicht der Stadt aber „durchaus verkehrssicher“, heißt es in der Antwort, die der Anwohner bei Facebook öffentlich gemacht hat. Und: „Eine generelle Einrichtung von Tempo 30 ist alternativ ebenfalls nicht möglich, da die Kirchhofstraße anders als die umliegenden Wohnstraßen als Verkehrsstraße eingestuft ist.“

Dem widerspricht die Politik. Aktuell führe nämlich die Sperrung der Brücke, die schon lange anhält und vermutlich auch noch ein paar Jahre andauern wird, dazu, dass die Kirchhofstraße eben nicht mehr als Hauptverkehrsstraße zu behandeln sei, wie Bezirksbürgermeisterin Ingelore Ockel (CDU) und CDU-Ratsfraktionsvorsitzender Ludger Kineke beim Ortstermin mit der WZ bekräftigen. Tempo 30 sei eine Notwendigkeit. „Und nicht nur, solange die Brücke gesperrt ist“, erklären Ockel und Kineke. Die Neuregelung solle dauerhaft gelten. „Es geht auch um Lebensqualität“, betont Max Guder (SPD), dass die Fraktionen hinter dem Antrag stehen. „Wir wollen die Verkehrsberuhigung.“

Neuregelung erfordere keinen baulichen Aufwand

Zudem sei es kein großer Aufwand. Lediglich ein paar Schilder müssten aufgestellt und Markierungen aufgebracht werden, sagt Kineke. „Das lässt sich kurzfristig umsetzen.“ In der gesamten Bayer-Siedlung gelte bereits seit vielen Jahren Tempo 30, haben die Parteien in ihrem Antrag hervorgehoben. Eine Ausweitung der 30er-Zone würde die Situation vor Ort entspannen, Unfällen vorbeugen und für die Wohnbevölkerung zudem die Wohnqualität deutlich erhöhen. „Außerdem hätten wir dann eine einheitliche Regelung für die Bayer-Siedlung“, sagt Guder, der anfügt: „Und Tempo 30 muss dann auch bleiben.“

Unterstützung für die Forderung kommt vom Bürgerverein Sonnborn-Zoo-Varresbeck. „Eine Verkehrsberuhigung mit Tempo 30 halte ich für gut“,sagt der Vorsitzende Udo Hindrichs, der sich kürzlich den aktuellen Baufortschritt an den „Zooterrassen“ anschaute. „Das ist eine beeindruckende Entwicklung.“

Aber nicht nur wegen der neuen Nachbarn auf dem ehemaligen Grundstück der Evangelischen Kirchengemeinde sei die Neuregelung wichtig, sondern auch für die langjährigen Anwohner. Es sei aber abzuwarten, wie die Stadt reagiert. Denn bislang, weiß auch Udo Hindrichs, habe sich die Verwaltung aus rechtlichen Gründen gegen Tempo 30 gesperrt.