1. NRW
  2. Wuppertal

Begrabt mein Herz in Wuppertal: Karneval ohne Krätze und Corona

Begrabt mein Herz in Wuppertal : Karneval ohne Krätze und Corona

Nicht nur in China, Europa und Großbritannien geht es gerade hoch her, sondern auch in Wuppertal. Da fliegen einem die Themen nur so um die Ohren, über die man berichten könnte.

In China wütet ein Virus und in Wuppertal vermeldet das Gesundheitsamt den Anstieg von Krätze-Fällen. Ich hoffe, wir bleiben hier alle gesund.

Bald ist Karneval, da möchte man Spaß haben, einen draufmachen, schunkeln und Küsschen geben. Es wäre nicht schön, wenn man Aschermittwoch aufwacht, um festzustellen, dass man sich zum Kater auch noch die Krätze und den Coronavirus eingefangen hat. Für mich als Fan des Königshauses, ist der Ausstieg Großbritanniens aus der EU ein weiterer Tiefschlag, nach der royalen Kündigung von Prinz Harry. Ich muss gestehen, das Schicksal der Inselbewohner interessiert mich jetzt nicht mehr. Wer geht, der geht. Aus die Maus! Da kenne ich kein Pardon. Das Bergische Land steht mir eh viel näher, als dieses England und Umgebung.

Die Stadt Wuppertal und Adolphe Binder, ehemalige Intendantin des Tanztheaters Pina Bausch, haben sich jetzt außergerichtlich geeinigt. Das kostet Wuppertal über eine Million Euro. Oberbürgermeister Andreas Mucke versprach, die schmuddelige Affäre aufzuklären. Dies braucht natürlich Zeit (Smiley). Zunächst feiern wir alle Ostern. Dann kommt der Sommer und wenig später ist Kommunal- und OB-Wahl. Und bevor wir uns versehen, ist schon Weihnachten.

Immerhin hat der Rat in einer anderen Angelegenheit irrsinnig schnell gehandelt: Auf dem freien Platz hinter dem originellen Gebäude eines umstrittenen Textilfachgeschäftes wird ein mittelgroßer, hellerleuchteter Taxi-Stand errichtet. Darum werden uns sicherlich einige Großstädte beneiden. Es gab auch andere Vorschläge, wie man den Freiraum auf dem Bahnhofsvorplatz hätte nutzen können. Leider kann ich mich gerade an keinen mehr erinnern - Kettenkarussell? Das wäre dann mein Favorit gewesen. Autos haben einfach eine große Lobby, egal wo man hinblickt.

Eine unendliche Geschichte, auch hier in Wuppertal, sind die „Helikopter-Eltern“. Täglich bringen hunderte von Vätern und Müttern ihre Kinder mit dem Auto direkt bis vors Schultor. Anwohner sind genervt, weil fette Geländewagen die Straßen verstopfen und hierdurch Kinder gefährden, die per pedes unterwegs sind. Hupende Autos, laufende Motoren, schimpfende Eltern. Und das jeden Morgen. Das ist schlimm, keine Frage. Kinder sollten, wo immer es geht, alleine zur Schule gehen oder mit dem Bus fahren. Immer wieder hört man aber von älteren Mitbürgern, also von Großeltern oder Ur-Großeltern, dass früher kein Kind zur Schule gebracht wurde: „Wir mussten damals in Ostpreußen sogar bei 40 Grad minus über 30 Kilometer zur Schule laufen. Und der Schnee war so hoch, dass wir darin bis zur Nasenspitze versanken. Über Autos verfügte nur die Polizei und die Feuerwehr!“

Da ich selber schon steinalt bin, kann ich zur Wahrheitsfindung einiges beitragen. Ich glaube, viele alte Leute verklären die Vergangenheit, weil sie am Ende des Lebens einen schönen Rückblick haben möchten, auch um besser dazustehen. Alle sollten da ein Stück weit ehrlicher sein. Ich weiß, wenn mir meine Erinnerung keinen Streich spielt, dass es früher vor meiner Schule die gleichen Probleme gab. Nicht mit Autos, die waren noch kein Thema, weil es noch nicht so viele gab. Damals wurden die meisten Kinder aber mit Pferd und Kutsche zur Schule gebracht. Wir hatten einen wunderschönen, schwarzen Hengst. Er hieß Fury, wie das Pferd aus der Fernsehserie. Alle Mädchen aus unserer Schule waren in ihn verknallt. Nach Schulschluss holte er mich sogar alleine ab. Ich wohnte unweit der Schule und rief nur ganz laut seinen Namen, dann kam er wiehernd um die Ecke. Das war toll. Andere hatten es nicht so gut. Zwei Zwillinge ritten täglich auf einem alten Esel zur Schule, wofür sie gemobbt wurden – früher sagte man „gehänselt“. Es gab zu diesen Zeiten auch Stress mit den Anwohnern, weil oft sieben bis acht Kutschen kreuz und quer vor der Schule parkten. Mein Großvater erzählte mir, dass zu seiner Schulzeit viele seiner Kameraden sogar mit Panzern zum Unterricht kutschiert wurden. Das fand ich übertrieben.