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Schule: Wuppertaler Gymnasien haben individuelle Förderung im Blick

Schule : Wuppertaler Gymnasien haben individuelle Förderung im Blick

Schulleiter erklären, wie moderne Pädagogik Unterricht und Umgang verändern.

Gymnasien stellen hohe Ansprüche, sortieren viele Schüler aus, setzen vor allem aufs Pauken – das sind alles veraltete Bilder. Vier Leiter von Wuppertaler Gymnasien erklären stellvertretend für ihre Kollegen die Veränderungen an ihren Schulen.

„Das moderne Gymnasium lebt auch von der Heterogenität“, sagt zum Beispiel Christiane Genschel, Leiterin des Ganztagsgymnasiums Johannes Rau an der Siegesstraße. „Das bedeutet, dass auch wir individuell beraten und begleiten.“ Ziel sei, die Persönlichkeit des Schülers zu stärken und zu entwickeln.

Hildegard Harwix, Leiterin des Gymnasiums Sedanstraße, betont, dass die Wuppertaler Gymnasien deshalb alle zu G9, also zum Abitur nach 13 Jahren, zurückgekehrt sind. Dadurch sei wieder mehr Zeit für dieses Ziel. „Das ist ein großer Gewinn.“ Pauken von Wissen stehe heute nicht mehr im Fokus, sondern das Vermitteln von Kompetenzen. Der Lehrplan sei nicht mehr am „Input“ orientiert, sondern am „Output“ der Schüler. Ihre Kollegen ergänzen, dazu gehörten etwa das Wissen über Methoden, die Fähigkeit zu urteilen oder Kooperation.

Im Unterricht passiere heute viel mehr, betont Kai Hermann, Leiter des Gymnasiums Vohwinkel. Er und seine Kollegen verweisen auf neue Unterrichtsformen, die es neben dem Frontalunterricht gibt, wie Gruppenarbeit, Projektarbeit und selbstständiges Arbeiten der Schüler nach Wochenplan, also über einen längeren Zeitraum. Das erfolgt zu Hause, in den Bibliotheken oder Arbeitsräumen der Schule und in dafür frei gehaltenen Lernzeiten.

„Wir denken an
die ganze Persönlichkeit“

Reinold Mertens erklärt: „Ziel ist, dass die Schüler lernen zu entscheiden, an was sie in welcher Reihenfolge arbeiten.“ Dazu werden die Kinder und Jugendlichen anfangs angeleitet, im Laufe der Zeit sollen sie zunehmend selbstständiger ihre Zeit einteilen.

Auch in die Benotung flössen nicht nur Wissen, sondern auch Fähigkeiten ein wie etwa Hörverständnis in der Fremdsprache oder die Fähigkeit, naturwissenschaftliche Probleme anzugehen. Die Schüler kennen die Kriterien für die Bewertung einer Klausur, das sei sehr transparent: „Die Schüler bekommen heute eine ganz andere Rückmeldung als früher“, betont Christiane Genschel.

Trotz der vielen Formen selbstständigen Arbeitens sei der Lehrer weiterhin die zentrale Person, betont Hildegard Harwix. „Die Beziehung zwischen Schüler und Lehrer ist der große Faktor, der zum Gelingen beiträgt.“ Aber dafür brauche man Zeit. „Deshalb ist es gut, dass wir das weitere Jahr haben und nicht mehr durch die Lehrpläne eilen“, betont Christiane Genschel.“

Denn „wir denken an die ganze Persönlichkeit“, betont Hildegard Harwix. Die Schulen hätten auch einen Erziehungsauftrag. Sie wollten die Schüler einerseits an die Studierfähigkeit heranführen, andererseits zur Arbeitsfähigkeit. Kai Hermann verweist auf die zahlreichen Angebote für talentierte Schüler wie Wettbewerbe, Arbeitsgemeinschaften und Auslandsaufenthalte.

Reinold Mertens macht deutlich, dass die Schüler viel Zeit an der Schule verbringen. Deshalb wollten sie Schule auch so gestalten, dass die Schüler sich wohlfühlen. „Nur so können sich die Kinder entfalten.“

Um auf die unterschiedlichen Fähigkeiten der Schüler einzugehen, werde im Unterricht differenziert. Deutlich werde das zum Beispiel im Umgang mit Seiteneinsteigern, also Zuwandererkindern, die erst ausreichende Deutschkenntnisse erwerben müssen. Ein „sprachsensibler Unterricht“, in dem mal alltagssprachlich, mal fachsprachlich formuliert werde, helfe auch diesen Kindern, dem Fachunterricht zu folgen. Es gehe nicht darum, alle auf das exakt gleiche Niveau zu bringen, sondern jeden auf seinem Niveau weiter zu fördern, erläutert Kai Hermann.

Ihnen gehe es um eine ganzheitliche Bildung, sagt Hildegard Harwix: „Eine breite und tiefe Bildung in allen Fächern, in Naturwissenschaften, Sprachen und im musischen Bereich.“ Dazu gehörten auch die modernen Medien. Und die Fähigkeit, zu kommunizieren und zu kooperieren. Das demonstrierten die Schulen selbst dadurch, dass Lehrer eng zusammenarbeiten, und durch die vielfältigen Kooperationen mit anderen Einrichtungen wie der Universität, der Junior Uni, der Musikschule und Unternehmen der Region.

So gewännen die Schüler breitere Erfahrungen und die Einrichtungen und Unternehmen künftige Besucher und Mitarbeiter. Diese Vernetzung sei für Wuppertal, so Christiane Genschel, „eine Win-Win-Situation“.