Highland Games in Wuppertal-Barmen

Highland-Games : Vorsicht, fliegender Baumstamm

Bei den Highland-Games sind die Teilnehmer so stark wie der angebotene Whisky-Kuchen.

Pünktlich zum Ende der Sommerferien konnten Wuppertaler wieder einen Kurztrip nach Schottland machen – auf dem Gelände der CVJM Bildungsstätte Bundeshöhe, wo die 9. Highland Games ausgetragen wurden. Das letzte Augustwochenende stand hier ganz im Zeichen des Schottenrocks. Ihn trugen Sportler und Besucher, Männer und Frauen. Der Samstag begann mit den NRW-Landesmeisterschaften der Damen und den Herren-Meisterschaften in der Gewichtsklasse B-Heavy. Zu den traditionellen Sportarten gehörten unter anderem Baumstammwerfen, Heuballenwerfen und Tauziehen.

Die Clans schlugen
ihre Zelte auf

Auf dem Weg zum Wettkampf kam man an Verkaufsständen mit Met und Whisky vorbei. Sogar Kuchen mit Whisky-Aroma wurde angeboten.

Bei einem Heerlager, das die Zeit um 1600 lebendig machte, gab es Schaukämpfe mit Breitschwertern und anderen Hiebwaffen. Neben dem Stand des Ausrichters „Friends of Clan McLaren“ hatten weitere Schottland-Vereine ihre Zelte aufgeschlagen: Clan Gregor Society und der Highland Clan Coesfeld, die Clans Campbell, MacKenzie und MacLeod.

Die Highland Games seien ursprünglich als List entstanden, erklärte Ralf Berger von „Friends of Clan McLaren“. Unter englischer Vorherrschaft war den Schotten das Tragen von Waffen verboten. Damit die Clan-Mitglieder fit blieben, wichen sie auf den Sport aus. „Es ging darum, die Stärksten als Leibwächter für den Clan Chief herauszusuchen“, sagte Berger. Sportler Dominik Hornig berichtete, er gehe dreimal die Woche ins Fitness-Studio, um gut für die modernen Highland Games gerüstet zu sein.

Die Grenze zwischen Heerlager und Wettkampfgelände markierte ein großes Sicherheitsnetz. Dahinter übten sich die Herren am Steinweitwurf, während die Damen in gebührendem Abstand die Baumstämme warfen. Die Technik des Steinweitwurfs ähnelt der des Kugelstoßens. Nur fliegen bei den Highland Games Natursteine. 7,25 Kilogramm wiegen die Steine für Sportler, während die Steine für Sportlerinnen halb so schwer sind.

Bevor die Teilnehmer den Stein zwischen Hals und rechter Schulter lagerten, rieben sie sich den Hals mit Magnesium ein. Dann kam eine Drehung um die eigene Achse, der Abstoß und ein Schrei aus tiefster Kehle, gefolgt vom deutlich hörbaren Einschlag des Steins in den Boden.

Die Damen bereiteten sich vor, indem sie sich die Hände mit Baumwachs einrieben. Vor dem Wurf musste der unten angespitzte Baumstamm in die Senkrechte gehoben werden. Wenn er sich beim Wurf einmal überschlug und dann möglichst gerade liegenblieb, hatte die Teilnehmerin gute Gewinnchancen.

Neben den Highland Games war für Sonntag eine Pipe Competition, ein Wettbewerb der Dudelsackspieler, fest eingeplant. Nanny Sauer, Mitglied der Wupper District Pipe Band, machte bereits am Samstag rund um das Heerlager Musik. „Es war immer mein Wunsch, Dudelsack zu spielen – schon mit zehn Jahren.“ Den Wunsch konnte sie sich zwar erst drei Jahrzehnte später erfüllen. Dank eines guten Lehrers und dem Spielen in der Band könne sie aber mit den Profis mithalten. Gern führt sie Besuchern ihr schwer zu spielendes Instrument vor, das neben der Spielflöte aus mehreren Pfeifen, Bordunen genannt, besteht. „Da muss so viel Luft in den Dudelsack rein, dass sie alle einen vollen Ton abgeben.“

Benjamin Klapp besuchte die Highland Games zum ersten Mal. „Wir haben das von Bekannten gehört und finden es sehr nett hier.“ Den Kuchen mit Whisky-Geschmack habe er schon probiert und könne ihn wirklich empfehlen.

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