Farbenlehre: Der Rostlack fällt durch

Farbenlehre: Der Rostlack fällt durch

Knapp 600 Wuppertaler stimmten bis Sonntag ab — es geht um die zukünftige Farbgestaltung auf der Trasse.

„Wir möchten uns nun dem Urteil der Bürger stellen.“ Nach dem die Stadtverwaltung allein entschieden habe (so der Vorwurf der Wuppertal Bewegung), in welchem Farbton die Nordbahntrasse gestaltet werden soll, wehrt sich nun die Wuppertal Bewegung gegen diese Auswahl.

„Wir wollen gehört werden.“, fordert Matthias Kreysing, Projektkoordinator der Wuppertal Bewegung. Und damit man im Sinne der Bürger sprechen könne, stellte die Bewegung Trassenbenutzer am vergangenen Wochenende die Wahl zwischen vier Farbtönen — darunter auch die Rostfarbe, die die Stadt präferiert.

„Unsere Idee ist eine Kombination aus drei klassischen Farben der Bahn.“, erklärt Jürgen Reusch aus dem Lenkungsausschuss der Wuppertal Bewegung. Sprich: „Eisenglimmer grau“ für Geländer und Lichtmasten; „Eisenglimmer grün“ für historische Bahnteile wie Gitter und Signale und „gelbgrün“, um wenige Highlights an Bänken oder Fahrradständern zu setzten.

Um den Bürgern einen realen Eindruck zu ermöglichen, standen am Rand der Trasse vier unterschiedlich gestrichene Säulen bereit. Danach konnte man abstimmen. Das tat dann auch Michael Bungart: „Die Farbe Rost macht ihrem Namen alle Ehre.“, sagte er, nachdem er über die Säule strich und seine rostigen Hände betrachtete. „Die anderen drei Farben harmonieren sehr gut miteinander. Das sieht einfach frischer aus.“, fand vor allem Christiane Bungart. Die Rostfarbe fiel bei den meisten Bürgern durch: „Das geht auf gar keinen Fall.“, war so auch Johannes Steins Meinung.

Die Wuppertal Bewegung will mit ihren Vorschlägen den Bahncharakter der Trasse erhalten. Es gibt aber noch einen weiteren wichtigen Grund. „Wir sehen die Assoziation des Rosts mit der Trasse nicht“, erklärt Reusch. Und tatsächlich konnten sich die Trassennutzer am Ausgang des Bahnhofs Loh vom Eindruck überzeugen. Dort stehen bereits zwei Laternenmasten im rostigen Farbton, was vielen nicht gefiel. Und doch bietet die Farbe auch Vorteile. „Man fasst nicht ohne weiteres dran und Aufkleber halten auf dem rauen Untergrund nicht.“, sagt Reusch.

Für die Langlebigkeit sicher von Vorteil. Aber trotzdem konnte Kreysing viele Menschen zur Abstimmung mit nur einem Satz bewegen: „Sie müssen noch 80 Jahre mit der Farbe leben.“

Ob die Bewegung mit dieser Aktion Erfolg haben wird, ist indes offen. Reusch ist optimistisch. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Oberbürgermeister sich gegen die Mehrheit der Bürger ausspricht.“

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