Das erste Daumendrücken in Wuppertal hat sich gelohnt

Das erste Daumendrücken in Wuppertal hat sich gelohnt

Auf dem Nützenberg fiebern die vom Lehns bei Start ihres Sohns Christian kräftig mit.

Wuppertal. „Na sag doch endlich wie die Zeiten sind“, fordert Stefan vom Lehn von der heimischen Couch in Richtung des Fernsehers. Momente des ungeduldigen Wartens auf dem Elberfelder Nützenberg. „Und Feldwehr ist hinter vom Lehn“, sagt der Reporter und es klingt wie eine Erlösung für die Familie vom Lehn. Ein kurzer Freudenschrei von Iris vom Lehn, die Sekundenbruchteile später ihrer Tochter Sarah um den Hals fällt, weil Sohn Christian in London sein erstes Ziel erreicht hat.

Nein, in das Jammern der deutschen Schwimmer am ersten Wettkampftag in London mussten Christian vom Lehn und seine größten Fans in Wuppertal zum Glück nicht einstimmen, obwohl er das Halbfinale verpasste. Die Paradedisziplin des 20-Jährigen Christian sind die 200 Meter Brust. Über 100 Meter lieferte eine für ihn gute Zeit ab, die Form stimmt also. „Am Telefon hörte er sich schon am Tag davor ganz locker an“, berichtet Schwester Sarah (15).

Die Qualifikation für das Finale schien unwahrscheinlich, es ging aber auch um die Qualifikation für die deutsche 4 x 100-m-Staffel. Den Platz als Brustschwimmer dürfte sich Christian vom Lehn vor seinem deutschen Kollegen Hendrik Feldwehr mit der besseren Zeit gesichert haben. „Wenn sich der deutsche Schwimmverband an seine eigene Ausschreibung hält, müsste Christian jetzt für die Staffel nominiert werden“, sagt Mutter Iris, die früher ebenfalls eine recht gute Schwimmerin war und um den Reiz eines Staffelstarts weiß.

Im Olympia-Studio auf dem Nützenberg herrschte am Wochenende noch die Ruhe vor dem Sturm. Die Garage und der Fahnenmast im Garten sind zwar bereits mit den olympischen Ringen und der deutschen Fahne beflaggt, aber die große Beamer-Leinwand wurde noch nicht aufgebaut. Erst ab Dienstag geht bei den vom Lehns richtig die Post ab. Morgens steht der Vorlauf über 200 Meter-Brust an (ab 11.47 Uhr).

Das Weiterkommen für den WM-Dritten 2011 ist fest eingeplant. Am Abend zum Halbfinale wird es richtig spannend (ab 21.17 Uhr). Und dann haben sich auch zahlreiche Fans aus dem Freundes- und Familienkreis angesagt. Gut möglich, es Vater Stefan dann nicht mehr auf der Couch hält. „Als Christian bei der WM 2011 in Shanghai im Finale war, bin ich durch den Garten getigert. Vom Rennen habe ich gar nichts gesehen, sondern nur den Ton gehört“, erinnert er sich.

Die TV-Experten lobten den Wuppertaler in London. An dem Tag, an fast alle deutschen Schwimmer ein Debakel erlebten, fand Christian Keller aufbauende Worte; „Er ist über 100 Meter im Rahmen seiner Möglichkeiten geblieben. Ich glaube, dass er über 200 Meter seine Chance nutzen kann.“ Sollte es mit dem Finaleinzug am Dienstag klappen, wird am Mittwoch (20.30 Uhr) auf dem Nützenberg wieder die Großbildleinwand ausgefahren, und Vater Stefan wieder durch den Garten tigern.

Mehr von Westdeutsche Zeitung