Café Born: „So etwas hat gefehlt“

Café Born: „So etwas hat gefehlt“

Die ehemalige Wirtschaft vom Cleff hat sich wieder zu einem Treffpunkt im Stadtteil entwickelt.

Cronenberg. Eigentlich ist an diesem Tag wenig Platz im Café. Denn eine große Beerdigungsgesellschaft hat sich angemeldet. Aber Jürgen Eschmann und Gerd Lindenschmidt lassen sich von ihrer täglichen Kaffeerunde nicht abhalten. „Man muss ja Unterhaltung haben“, betont Jürgen Eschmann.

Die beiden Herren ziehen aus dem größeren Caféraum mit den alten Fenstern in das kleine Nebenzimmer, in dem gerade ein Tisch frei geworden ist. Hier sitzen Paare beim Frühstück, Kleinkinder wollen sich nur schwer vom Spielzeug trennen, das hier liegt. „Das heißt hier auch ,Spielzimmer’“, erklärt Jürgen Eschmann.

Heute bleiben sie die meiste Zeit nur zu zweit. Häufig genug aber versammeln sich sechs bis acht ältere Herrschaften zum vormittäglichen Plausch. Sie treffen sich nach Einkäufen und anderen Erledigungen im Cronenberger Zentrum. „Hier sieht man sich einfach regelmäßig, das ist ein richtiges Kommunikationszentrum“, erklärt Jürgen Eschmann. „Das ist wichtig und notwendig“, betont Gerd Lindenschmidt. Beide sind Witwer und schätzen den Anlaufpunkt. „So etwas hat in Cronenberg gefehlt“, sagt Gerd Lindenschmidt. Denn viele Gastronomiebetriebe in Cronenberg hätten inzwischen geschlossen. „In der Kneipenhochburg Sudberg gibt es gar nichts mehr“, klagt Eschmann.

Er und Lindenschmidt sind beide waschechte Cronenberger und kennen sich lose schon seit Jahren. Aber als Eschmann, ehemals Sprecher der Stadtwerke, an einem Buch über den Cronenberger Männerchor arbeitete, da traf er sich regelmäßig mit Lindenschmidt, einem Urgestein des renommierten Chors, im Café Born. „Da hat sich die schlechte Angewohnheit entwickelt“, sagt Lindenschmidt mit einem Augenzwinkern. Denn auch nach Erscheinen des Buches haben sie die regelmäßigen Treffen beibehalten.

Inzwischen gesellen sich auch häufiger weitere Gesprächspartner dazu. Wenn sich eine größere Runde zusammenfindet, nehmen sie gern an dem runden „Stammtisch“ Platz, der noch aus dem alten Ratskeller stammt und den der Heimat- und Bürgerverein mit viel Aufwand restauriert hat.

Die Gespräche drehen sich um Neuigkeiten aus dem Dorf oder um den Sport. Ausgeschlossen werde die Politik — „da gibt es ja so viele verschiedene Meinungen“ — und Krankheiten.

Dass sich das Café zu einem solchen Treffpunkt entwickelt, freut auch Geschäftsführerin Miriam Marghareta: „Wir sind sehr zufrieden“, sagt sie. Sie seien ja noch in der Aufbauphase, aber „es kommen immer mehr Stammgäste“.

Ihre Chefin habe durch Zufall erfahren, dass das Lokal einen neuen Betreiber brauche. Bei einem Treffen in den Räumen habe sie das schöne Haus, die alte Einrichtung und die Atmosphäre bewundert. Und die Idee, das Café zu übernehmen, zunächst weit von sich gewiesen. Doch dann habe sie sich doch zur Übernahme entschlossen.

Das Café bietet Frühstück sowie Kaffee und Kuchen an — „der ist hausgemacht“, betont Mirjam Marghareta. Dazu gibt es eine kleine wechselnde Mittagskarte. Sie legten Wert darauf, dass die Gäste sich wohlfühlen, haben einen festen Stamm an Mitarbeitern. Dann kenne man sich bald, häufig genug duze man sich nach wenigen Besuchen.

Im Café treffen sich Vereine, Parteien und viele lose Gruppen. Stammgäste sind auch die Obrams, die die Cronenberger Mundart pflegen. Für sie hielt das Café am ersten Freitag im Monat die Türen länger geöffnet. Das lief so gut, dass jetzt nicht nur am ersten, sondern auch am dritten Freitag im Monat auch abends geöffnet ist.

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