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Brekers Pallas-Athene: Die Skulptur eines Nationalsozialisten

Diskussion : „Die Skulptur eines Nationalsozialisten“

Bei der Diskussion um die Breker-Statue kam der Wunsch auf, das Werk noch weiter einzuordnen.

Klein und schmächtig steht die Statue der Göttin Athene seit 1957 vor dem Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium. Und doch entfaltet sie eine massive Wirkung. Das liegt vor allem an ihrem Schöpfer, Arno Breker. Der geborene Elberfelder wurde von der nationalsozialistischen Führung auf die erste Stelle der Liste „Unersetzliche Künstler“ gesetzt. Nach dem Krieg wurde er im Zuge der Entnazifizierung als Mitläufer eingestuft. Wie geht man mit so einem Erbe um? Diese Frage beschäftigt das Gymnasium nicht erst seit heute. Aber jetzt gibt es einen Beschluss der Schulkonferenz: Dort, wo die Statue steht, soll sie nicht bleiben. Nun gibt es an der Schule trotzdem verschiedene Positionen. Und in Folge dieser Diskussionen veranstaltete sie jetzt eine Podiumsdiskussion. Sie war hochkarätig besetzt. Mehr als 100 Zuhörer waren gekommen, und nicht nur aus dem direkten schulischen Umfeld.

Geschichtslehrer stellte sich
hinter die Schulkonferenz

Die Moderation hatte Stefan Koldenhoff, Kulturredakteur beim Deutschlandfunk, übernommen. Neben ihm saßen die Ministerin für Kunst und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, Isabel Pfeiffer-Poensgen, Brigitte Franzen, Vorstand der Irene-und-Peter-Ludwig-Stiftung in Aachen, Felix Krämer, Generaldirektor des Museums Kunstpalast in Düsseldorf, der Wuppertaler Kulturdezernent Matthias Nocke, der Geschichtslehrer Martin Schulte sowie die Schülerinnen Alexandra Mejeritski und Emilie Berkel. Schulte vertritt die Meinung der Schulkonferenz. Mejeritski und Berkel gehören zu den Gewinnern des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten und haben sich in ihrer Arbeit mit der Skulptur vor ihrer Schule beschäftigt. Sie sind zu dem Schluss gekommen: keine nationalsozialistische Kunst, sie kann stehen bleiben.

Nocke erinnerte daran, dass die Statue seit 1997 unter Denkmalschutz steht und die Kommission Kultur des Erinnerns sich einstimmig für ihren Verbleib ausgesprochen habe. Ihren künstlerischen Wert schätzten die Experten der Diskussionsrunde als nicht sehr hoch ein. Schulte meinte, auch wenn es keine nationalsozialistische Skulptur sei, so sei es doch die Skulptur eines Nationalsozialisten. Zumindest an so prominenter Stelle sei kein Platz für sie. Franzen stufte sie als politische Camouflage Brekers in der Nachkriegszeit ein. Und Krämer gab zu bedenken, dass eine Schule anders mit solcher Kunst umgehen müsse als ein Museum. Und selbst ein besserer Text als der jetzige auf einer begleitenden Tafel reiche da nicht aus.

Vorschlag: Künstler-Wettbewerb
für kritische Auseinandersetzung

Auf allgemeine Zustimmung in der Runde stieß der Vorschlag von Pfeiffer-Poensgen: Künstler könnten in einem Wettbewerb mit einer eigenen Arbeit Brekers Athene in einen anderen Kontext stellen und so zur kritischen Auseinandersetzung beitragen. Gefragt, woher das Geld dafür kommen solle, sagte sie: „Das weiß ich nicht ohne weiteres, aber das würden wir auch noch hinkriegen.“ Nocke nannte das „die schönste Lösung“. Mejeritski und Berkel wären mit einem Ortswechsel als Kompromiss einverstanden. Schulte will die Ergebnisse der Diskussion in die Schulkonferenz mitnehmen. Nocke ist zu weiteren Gesprächen zwischen der Schule und der Stadt als Eigentümerin der Statue bereit. Und er will mit dem Denkmalschutz klären, was es genau heißt, die Athene sei ein unbewegliches Denkmal.