Bombe in Vohwinkel: Wie Oma Erika die Entschärfung verzögerte

Bombe in Vohwinkel: Wie Oma Erika die Entschärfung verzögerte

Am Montagmittag wurde eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg aus der Jungen-Toilette der Realschule geborgen.

Wuppertal. Wann genau eine alte Weltkriegsbombe entschärft wird, das entscheiden für gewöhnlich die Fachleute vom Kampfmittelräumdienst. Und die hatten eigentlich geplant, den 250 Kilo-Blindgänger im WC-Trakt der Realschule Vohwinkel am Montagvormittag gegen elf Uhr zu entschärfen.

Doch da hatten sie die Rechnung ohne Oma Erika von der Kaiserstraße gemacht. Oma Erika ist 89 Jahre alt und zeitweise ein bisschen verwirrt, berichtet ihr Schwiegersohn. Sie sei aber zunächst ganz friedlich gewesen, als sie gehört habe, dass sie wegen der Bomben-Entschärfung die Wohnung verlassen müsse - wie alle Anwohner im Radius von 250 Metern um die Realschule.

Am Freitag hatte die Stadt mit Briefen und Handzettelnüber die notwendige Evakuierung informiert. Tatsächlich aber waren am Montagmorgen nicht wenige Vohwinkeler komplett ahnungslos, als um kurz nach zehn Uhr rund um die Blücherstraße Lautsprecher-Durchsagen zu hören waren: "Achtung, Achtung, hier spricht die Feuerwehr: Bitte verlassen Sie die Wohnung wegen einer Bomben-Entschärfung!" An etliche Türen hätten die Helfer von Ordnungsamt und Feuerwehr klopfen müssen, die Situation erklären und Bewohner zum Verlassen des Hauses auffordern, so ist zu hören. "Es gab ein paar Einzelfälle", räumt Carsten Vorsich vom Ordnungsamt ein, "die mussten wir aus den Wohnungen holen."

Als weit nach 11 Uhr der Kampfmittelräumdienst schließlich mit der Entschärfung der Bombe beginnen wollte, war da nur noch Oma Erika: Die alte Dame hatte kurzfristig beschlossen, doch nicht aus dem Haus gehen zu wollen - und sie ließ sich auch nicht umstimmen.

Mit sanfter Gewalt konnte ein Team aus Polizei und Feuerwehr die alte Dame schließlich aus dem Haus bugsieren. Mit fast einstündiger Verspätung begannen Peter Giesecke und sein Team vom Kampfmittelräumdienst um 11.45 Uhr mit der Arbeit im Jungen-Klo der Realschule. Dort hatte sich in der vergangenen Woche der Verdacht auf das Weltkriegs-Relikt bestätigt.

Um 12.30 Uhr ließ sich dann begutachten, was in Vohwinkel den Verkehr für mehr als zwei Stunden aufgehalten hatte: der britische Blindgänger. Eine Fliegerbombe, 250 Kilogramm schwer, aus dem Jahr 1943, wie anhand der Prägung auf dem Metall zu erkennen ist. "Völlig problemlos" sei die Entschärfung vonstatten gegangen, sagt Peter Giesecke.

Rund 40 Minuten habe es gedauert, bis der Detonator von der Bombe abgezogen werden konnte und kontrolliert gesprengt wurde. Es handele sich um ein Standardmodell ohne besondere Merkmale. "Ungewöhnlich ist nur der Fundort", sagt er: "Unter der Jungen-Toilette einer Schule - das ist schon sehr außergewöhnlich."