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Wuppertal-Cronenberg: Wenn ohne Auto nichts mehr geht

Politik-Talk : Wenn ohne Auto nichts mehr geht

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil sprach in Cronenberg über die Verkehrswende im ländlichen Raum.

Wenn Mobilitätswende auf Realität trifft: Im Veranstaltungsraum des Schulzentrums-Süd warten rund 60 Sozialdemokraten und interessierte Bürger auf SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil, der irgendwo mit dem Auto im Stau steht. Natürlich fährt der Bundespolitiker zwischen zwei knapp terminierten Terminen nicht mit Bus und Bahn bis auf die Südhöhen und kam auch nicht auf dem E-Scooter. Wie Klingbeil in Cronenberg berichtet, kennt er die Problematik aus seinem ländlichen Wahlkreis in Niedersachsen: „Steig doch auf den ÖPNV um“ - dieser Ratschlag sei in manchen Regionen Deutschlands nicht umsetzbar. „Da hat man genau zwei Möglichkeiten. Entweder ich fahre 90 Kilometer mit dem Auto oder ich fahre nicht“, sagt Klingbeil.

Und schon war man mitten drin in der Diskussion über die „Mobilität der Zukunft“ und „nachhaltige Qualitätsentwicklung“. Beide Themen hatte die Cronenberger SPD auf die Tagesordnung gesetzt und neben Klingbeil auch noch Stephan Schaller, Initiator des Mitmachnetzwerks „Cronenberg will mehr!“ und Axel Dreyer als Sprecher der Arbeitsgruppe Verkehr und Mobilität  ans Mikrofon gebeten.

„Wir müssen als Partei
wieder stärker vor Ort sein“

Ortsvereinsvorsitzende Miriam Scherff versuchte zusammen mit Bezirksbürgermeisterin Ursula Abé Themen aus Lokal- und Bundespolitik zu verquicken. Doch das Experiment, auf lokale Fragen bundespolitische Antworten zu finden, gelang nur bedingt. Unter anderem auch deswegen, weil Lars Klingbeil von Anfang an keinen Hehl daraus machte, dass er zu Cronenberg eigentlich gar nichts sagen konnte. So antwortete der Bundestagsabgeordnete auf die Frage von Abé, wie Cronenberg in 20 Jahren aussehen sollte: „Die schlimmste Vision wäre es wohl, wenn einer aus Berlin kommt und euch sagt, wie ihr sein sollt.“ Dafür gab es Applaus von den Cronenbergern.

Mindestens einen Tipp konnte Klingbeil aber den Lokalpolitikern mit den auf Weg geben: „Wir müssen als Partei wieder stärker vor Ort sein und weniger in Sitzungsräumen.“ Er führte ein konkretes Beispiel aus Rheinland-Pfalz an, wo die SPD ein erstes Quartierbüro ins Leben gerufen hat und plötzlich einen Nachbarschaftstreff inklusive Kinderbetreuung bietet. Die Cronenberger Sozialdemokraten wurden hellhörig.

Miriam Scherff ließ den Gast wissen, dass Fördergelder ganz oft nicht in Cronenberg ankommen. Wie könne man so einen Stadtteil unterstützen? „In dem man Ihnen mehr Geld gibt“, sagte Klingbeil trocken und verwies darauf, dass der Bund bis 2023 30 Prozent mehr Geld in Investitionen steckt. Klingbeil machte auch ganz deutlich: „Wir müssen den Altschuldenfonds hinkriegen.“ Denn: „Man kommt von diesen Kassenkrediten nicht weg.“ Das habe dramatische Folgen, denn am Ende verliere man die Menschen, wenn Politik auf einmal nichts mehr umsetzen kann. Wichtig sei eine Handlungsfähigkeit auf kommunaler Ebene. „Die Kommunalpolitik ist die Herzkammer der Demokratie.“

Das Fazit zum Thema Mobilität blieb trotz allem Verständnis für den ländlichen Raum: Die Wende wird kommen. „Ich glaube nicht, dass in zehn Jahren jeder noch ein Auto haben wird“, mit diesem Satz habe Klingbeil bereits bei der Automobilindustrie für lebhafte Diskussionen gesorgt. In Berlin sehe der Bundestagsabgeordnete das schon. „Da kauft man sich Zugang zur Mobilität.“ Das alles gehe aber nur mit Investitionen in den ÖPNV. Gerade hat der Bund eine Rekordsumme dafür beschlossen.