Anmerkungen am Gedenkstein

Anmerkungen am Gedenkstein

Rund 30 Bürger trafen sich in Erinnerung an die Erschießung von Zwangsarbeitern an der neu aufgestellten Steintafel im Burgholz.

Burgholz. Zum ersten Mal hatte die Gedenkfeier für die 30 im Jahr 1945 im Burgholz ermordeten Zwangsarbeiter auch einen physisch wahrnehmbaren Ort: Die Wanderung durch den Wald führte am Sonntag zu dem neu aufgestellten Stein am Zimmerplatz. An ihm wurden weiße Rosen in Erinnerung an die Opfer befestigt. Und ein Pappschild mit einem sogenannten QR-Code, der per Handy auf einen ergänzenden Text führt: Darin erläutern der Verein „Spurensuche — NS-Geschichte in Wuppertal“ und der „Verein zur Erforschung der Sozialen Bewegungen“, warum sie den Begriff „Standgericht“ auf dem Stein problematisch finden.

Foto: Andreas Fischer

Sechs Zwangsarbeiterinnen und 24 Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion wurden im Burgholz von Polizei und Gestapo hingerichtet — ihnen waren Überfälle vorgeworfen worden. Seit 2004 gibt es Bemühungen, an dieses Kriegsverbrechen zu erinnern.

Der erste Vorschlag lautete, einen Weg nach Helena Matrosowa zu benennen, dem einzigen Opfer, dessen Name bekannt ist. Das scheiterte — Waldwege werden nicht benannt. Daher sollte eine Texttafel aufgestellt werden — aus Naturstein, verlangte die Forstverwaltung. Was darauf zu lesen sein sollte, darüber gab es Diskussionen. Einen ersten Entwurf der Stadt kritisierten Lieselotte Bathia vom Verein „Spurensuche — NS-Geschichte in Wuppertal“ und Stephan Stracke vom „Verein zur Erforschung sozialer Bewegungen in Wuppertal“. Sie haben auch jetzt noch Kritik.

Als die Kommission für eine Kultur des Erinnerns der Stadt die endgültige Textfassung abgesegnet hatte, ging Bildhauer Timothy Vincent an die Arbeit. Er wählte dunklen Basalt aus Schweden, meißelte nicht nur den Text ein, sondern bohrte auch Löcher, die wie Schusslöcher aussehen.

Ursula Abé, Bezirksbürgermeisterin von Cronenberg, ist sehr zufrieden mit dem Stein: „Er ist auch von der Wertigkeit angemessen“, sagt sie. Sie weist darauf hin, dass der Bildhauer an der rechten Seite die Bruchkante stehenließ: „Weil das Leben der Opfer auch abgebrochen wurde.“

Bei der Gedenkveranstaltung, organisiert vom Regionalbüro Arbeit und Leben DGB/VHS Berg-Mark, erinnerten Lieselotte Bathia und Stephan Stracke an die lange Diskussion. Und brachten als symbolische Kritik den QR-Code an. „Er führt zu unserem Buchkapitel zum Standgericht“, so Stracke. Darin erklären sie, dass die Täter den Begriff Standgericht in den Prozessen gegen sie verwendeten, um der Erschießung Legitimität zu verleihen, die sie nicht hatten.

Der Text auf dem Stein sollte ursprünglich einen Hinweis auf weitere Informationen enthalten, der fehlt aus mehreren Gründen. Birgit König, die sich bei der Stadt um die Organisation gekümmert hat, nennt als einen, dass eine gemeißelte Schrift „sehr haltbar“ sei, Internetadressen sich aber ändern könnten.

Wie künftig auf weitergehende Informationen verwiesen wird, das werde geprüft. Kulturdezernent Matthias Nocke sagt: „Wir sind da offen.“ Sinnvoll sei sicher auch, für Schulklassen weiteres Material zusammenzustellen.

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