Café Cosa: Anwohner üben scharfe Kritik

Café Cosa: Anwohner üben scharfe Kritik

Mit den wärmeren Temperaturen hätten die Belästigungen zugenommen. Die Polizei spricht von niederschwelligen Einsätzen.

Zentrum. Die Stimmung unter den Anwohnern, Geschäftsleuten, Vermietern und Immobilienbesitzern rund um den Elberfelder Kirchplatz ist getrübt. Viele Anlieger befürchten, dass sich mit den bald wieder steigenden Temperaturen und den ersten warmen Sonnenstrahlen die Probleme rund um das Café Cosa verschärfen werden. Gestern trafen sich Mitglieder des Freundes- und Förderkreises Suchtkrankenhilfe, der das Café Cosa betreibt, sowie Repräsentanten des Evangelischen Kirchenkreises, der das Gebäude an der Calvinstraße 21 vermietet hat, zu einem Meinungsaustausch mit Polizei, Bundespolizei, Ordnungsamt und dem Eigenbetrieb Straßenreinigung.

Nach Informationen der WZ kamen dabei auch die Zwischenfälle zur Sprache, die an den ersten wärmeren Tagen Anfang März zu Beschwerden der Anlieger geführt haben. Anfragen der WZ bei der Evangelischen Kirche und der Stadtverwaltung zum Verlauf des Gesprächs und möglicher Konsequenzen wurden gestern nicht beantwortet.

Helga Rösner ist Vermieterin des Gebäudes Calvinstraße. Sie berichtet von erheblichen Ruhestörungen, Schlägereien und damit verbundenen Polizeieinsätzen am 4. und 5. März. „Unsere Mieter haben schon mit Kündigung gedroht und wollen so einen Zustand nicht mehr hinnehmen. Und das zu Recht“, sagt Helga Rösner.

Bei Immobilienbesitzer Stefan Viehoff gehen ebenfalls Beschwerden seiner Mieter ein. „Es hat bei ihnen ungebetenen Besuch in Praxisräumen und in einer Rechtsanwaltskanzlei gegeben. Da standen plötzlich zwei Männer, die dort nichts zu suchen hatten. Wir müssen davon ausgehen, dass sich die Situation auf dem Kirchplatz in der wärmeren Jahreszeit zuspitzt. Für diesen Fall haben praktisch alle meine Mieter mit einer Kündigung des Mietverhältnisses gedroht“, sagt Stefan Viehoff.

Die Polizei spricht auf Anfrage der WZ von „niederschwelligen Einsätzen“. „Zwischen dem 3. und 6. März gab es im Bereich der Calvinstraße zehn Einsätze, darunter wegen Belästigungen und mehrere wegen hilfloser Personen“, sagt Polizeisprecherin Anja Meis. Zudem sei eine Sachbeschädigung an dem Container gemeldet worden, der wie ein Riegel vor dem Eingang zum Café Cosa steht. „Dort sind regelmäßige Streifen im Einsatz, bei akuten Problemen sollte die 112 gewählt werden“, sagt Anja Meis.

Helga Rösner hofft, dass die Polizei ihre Streifengänge in den kommenden Tagen intensiviert. „Auf keinen Fall sollte die Frist für das Café Cosa am Kirchplatz über das Jahr hinaus verlängert werden“, fordert sie.

Da das Café Cosa wegen des Verkaufs und Umbaus des Köbo-Hauses seinen alten Standort verlassen musste, hatte der Evangelische Kirchenkreis das Gebäude an der Calvinstraße dem Freundes- und Förderkreis Suchtkrankenhilfe für das Jahr 2018 zur Verfügung gestellt. Sozialdezernent Stefan Kühn hatte auf Anfrage der WZ erklärt, dass die Stadt bei den Anwohnern im Wort stehe. Da der geplante Neubau für das Café Cosa im Wupperpark Ost frühestens Mitte 2019 bezogen werden kann, muss bis zum Ende dieses Jahres ein zweiter Übergangsstandort gefunden werden. Bisher hatte die Stadt noch keinen Erfolg.

Vom Köbo-Haus verlagert sich die sogenannte Platte mit dem Café Cosa vom Döppersberg in Richtung Kirchplatz. Es ist kein Geheimnis, dass sich Besucher des Cafés, in dem keine Drogen konsumiert werden dürfen, im näheren Umfeld mit Dealern treffen und mit Drogen eindecken. Die Stadt hält das Verdrängen der Szene an einen Ort am Stadtrand für den falschen Weg.