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Sekundarschule: Eltern verzweifelt

Sekundarschule: Eltern verzweifelt

Sie berichten von Gewalt und Mobbing - und sie fühlen sich von der Schulleitung allein gelassen.

Neuss. Mobbing, Gewalt unter Schülern und chaotische Zustände bei der Unterrichtsplanung? Es sind schwere Vorwürfe, die gleich mehrere Eltern erheben, deren Kinder die Sekundarschule Neuss an der Gnadentaler Allee besuchen. Um ihre Kinder zu schützen, möchten sie anonym bleiben. Nach Angaben der Eltern sind Gewalt und Mobbing an der Sekundarschule mittlerweile an der Tagesordnung.

Eine Mutter, die anonym bleiben will

Mehrere Anzeigen seien bereits erstattet worden. Als Beispiel nennen die Eltern ein Mädchen, das vor rund zwei Monaten krankenhausreif geschlagen worden sein soll. „Meine Tochter fühlt sich in der Schule nicht mehr sicher“, sagt eine Mutter. Darüber hinaus falle an der Sekundarschule regelmäßig der Unterricht aus. Auch die zugesicherte Unterrichtszeit bis 15.05 Uhr würde lediglich an zwei Tagen pro Woche eingehalten. „Es gibt keine Kontinuität, dafür herrscht großer Personalmangel“, sagen die Eltern, die über fehlende Planungssicherheit klagen. Wegen der jüngsten Vorkommnisse herrsche bei vielen Schülern ein Klima der Angst. Laut Sprecherin Diane Drawe sind bei der Polizei im Jahr 2017 elf Strafanzeigen bekannt geworden, bei denen sich der Tatort in der Neusser Sekundarschule befunden haben soll — und zwar wegen Nötigung, Körperverletzung, räuberischer Erpressung, Beleidigung oder Diebstahls. 2018 seien bislang sechs Anzeigen eingegangen. Darunter ein möglicher Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Nach eigenen Angaben hätten sich die Eltern bereits mehrfach an die Schulleitung, die Bezirksregierung und die Stadt gewandt. „Niemand unterstützt uns, man lässt uns mit den Problemen komplett allein“, so ihr Fazit. Mittlerweile wurde eine eigene E-Mail-Adresse eingerichtet, an die sich weitere betroffene Eltern anonym wenden können.

Schulleiter Georg Balster tut sich schwer mit der Vorgehensweise der Eltern. „Es ist schwer, auf Vorwürfe einzugehen, wenn die Betroffenen anonym bleiben.“ Dass es an seiner Schule zu Mobbing unter den Schülern kommt, bestreitet er nicht. Das Problem bestünde aber auf nahezu jeder Schule. Zu genauen Fällen könne er aus datenschutztechnischen Gründen nicht äußern. „Alle Eltern, die zu uns kommen und das Gespräch suchen, die finden auch jemanden, der mit ihnen spricht“, versichert der Pädagoge. Dem Mobbing-Problem begegne die Schule unter anderem mit Zweiergesprächen, Gruppenarbeiten in der Klasse oder im Austausch mit Schulsozialarbeitern und Beratungslehrern.

Wie eine Sprecherin mitteilte, sind bei der Bezirksregierung Düsseldorf Beschwerden von Eltern eingegangen, deren Kinder die Sekundarschule in Neuss besuchen. „Eine Untätigkeit unsererseits weise ich entschieden zurück“, sagt die Sprecherin. So seien Mitteilungen an die Eltern über die weitere Vorgehensweise versendet worden. Den Beschwerden werde nachgegangen. Die Stadtverwaltung betont, dass es sich um eine schulinterne Angelegenheit handelt. Man sei aber gesprächsbereit und wirke unterstützend. Angesprochen auf den Unterrichtsausfall, sagt Balster: „Die Eltern sind über alles informier. Dass es in Deutschland Lehrermangel gibt, ist nichts Neues.“