Erste Sekundarschule: Lernzeit statt Hausaufgaben

Erste Sekundarschule: Lernzeit statt Hausaufgaben

Anmeldeverfahren für erste Sekundarschule in Neuss beginnt am 4. Februar.

Neuss. Das Anmeldeteam mit der kommissarischen Schulleitung und das pädagogische Konzept stehen: Im Gebäude der auslaufenden Hauptschule an der Gnadentaler Allee wird nach den Sommerferien die erste Sekundarschule in Neuss ihren Unterricht aufnehmen.

Schuldezernentin Christiane Zangs stellt Vergleiche mit der schnellsten Maus von Mexiko an: „Man nennt uns schon die Speedy-Stadt.“ Im Rekordtempo habe die Verwaltung auf den Elternwillen der Befragung Anfang Dezember reagiert. „Wir hatten das unglaubliche Glück, dass Frau Bentele-Brückner zu den wildesten Taten bereit ist“, sagt Zangs augenzwinkernd und ist dankbar, dass Anja Bentele-Brückner, Arno Hanneken und Elmar Welter seit gestern offiziell das Anmeldeteam der neuen Sekundarschule bilden.

Vom 4. bis zum 6. Februar sind jetzt die Eltern am Zug: 75 Anmeldungen sind mindestens notwendig, damit der Schulbetrieb aufgenommen werden kann. Vorgesehen ist eine dreizügige Schule mit sieben Lehrern plus Sonder- und Sozialpädagogen.

Die Schule, die die Jahrgänge 5 bis 10 umfasst und gemeinsames Lernen bis mindestens zum 6. Schuljahr vorsieht, wird teilintegrativ geführt und soll mit der Gesamtschule an der Erft kooperieren. Sie wird als gebundene Ganztagsschule eingerichtet: Schulbeginn ist um 7.55 Uhr, Schulschluss um 15.05 Uhr.

Anja Benteler-Brückner, die bis zum Sommer noch Konrektorin an der Christian-Wierstraet-Realschule ist, wird mit der kommissarischen Leitung betraut. Die 45-jährige Englisch- und Französischlehrerin hat bereits ein pädagogisches Konzept erarbeitet und freut sich auf die Pionierarbeit: „Die Sekundarschule bietet gute Voraussetzungen für eine individuelle Förderung. Dreizügig bleibt die Schule klein, überschaubar und persönlich.“ Dass Anja Benteler-Brückner in der gleichen Stufe wie Elmar Welter das Abitur am Humboldt-Gymnasium machte und mit Arno Hanneken 2001 der Realschule Holzheim beim Aufbau half, vereinfacht die Arbeit im neuen Team.

Die Schüler können jederzeit alle Abschlüsse machen, bis hin zur Fachoberschulreife mit Qualifikation für die gymnasiale Oberstufe. Da die Entscheidung länger offen bleibt, können die Jugendlichen auch länger entsprechend gefördert werden. „Mit dem Konzept des gemeinsamen Lernens sind wir alle vertraut“, sagt Arno Hanneken, der von der Diedrich-Uhlhorn-Realschule nach Gnadental kommt.

Elmar Welter, Lehrer

Die Klassen profitieren von „mehr Lehrer pro Schüler“. Das Sitzenbleiben wird abgeschafft. Das Konzept sieht vor, dass die Schüler keine Hausaufgaben mehr aufbekommen. „Kuschelpädagogik“ wird die Schule aber nicht betreiben, verspricht Benteler-Brückner und lacht. Lernzeiten ersetzen die Hausaufgaben. Der Berufsorientierung wird viel Zeit eingeräumt. Die Schule strebt zudem eine Kooperation mit einem Berufskolleg an. Auch mit der Musikschule soll es eine Zusammenarbeit geben.

Die Hauptschule wird noch ein Jahr am Standort bleiben, die Sekundarschüler beziehen zunächst einen eigenen Trakt. 2,7 Millionen Euro soll der Umbau an der Gnadentaler Allee kosten.

Eine Mensa ist noch nicht vorhanden, bis zum Start könnte die aber fertig sein. „Das ist ehrgeizig, aber zu schaffen“, sagt die Dezernentin. „Die Mensa soll zum Wohnzimmer der Schule werden, in dem alles stattfindet“, so Lehrer Elmar Welter.

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