Dieser Neusser ist Teil der Eishockey-Geschichte

Dieser Neusser ist Teil der Eishockey-Geschichte

Er holte mit der Eishockey Nationalmannschaft Silber bei Olympia in Pyeongchang: Jetzt trug sich der aus Neuss stammende Torhüter Danny aus den Birken ins Goldene Buch der Stadt ein.

Neuss. Seine Mutter wohnt in Neuss, der Vater in Düsseldorf und er selbst hat Eigentum in Uedesheim. Der Lebensmittelpunkt von Danny aus den Birken befindet sich aber seit drei Jahren in München, wo er für den EHC Red Bull in der Deutschen-Eishockey-Liga (DEL) das Tor hütet. Nur noch selten kommt der 33-Jährige ins Rheinland zurück, zumal seine Freundin Natalie in Iserlohn wohnt und er — wenn die wenige Freizeit eines Profisportlers es zulässt — dann eher zwischen Bayern und dem Sauerland hin und her reist. In dieser Woche führte ihn aber eine besondere Einladung in die alte Heimat: Der Neusser Bürgermeister Reiner Breuer empfing Danny aus den Birken im Sels-Zimmer, in dem er sich ins Goldene Buch der Stadt eintragen durfte. Anlass war der Gewinn der Silbermedaille mit der Nationalmannschaft bei den Olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang.

Der Torwart wurde zwar in Düsseldorf geboren, wuchs jedoch in Neuss auf. Das erste Mal auf dem Eis stand er bei den Bambini des noch damaligen Neusser EC. Und so schaute aus den Birken bei seinem Besuch im Rathaus in bekannte Gesichter, die er allerdings lange nicht mehr gesehen hatte. Sein erster Trainer Karsten Kremser, der letzte Coach in Neuss Andreas Schrills und sein ehemaliger Mitspieler Christian Peußer begrüßten ihn beim Empfang. „Wir haben uns länger als 20 Jahre nicht gesehen, trotzdem hat er mich wiedererkannt“, sagt Peußer. Der Silbermedaillengewinner gibt zu: „Ich war vorher unsicher, ob ich ihn und die anderen erkenne. Dass die Leute von früher hier sind, freut mich jedenfalls tierisch. Jeder ist ein Teil des Erfolges.“ Der dritte Meistertitel in Folge in dieser Saison mit München geht wegen der historischen Silbermedaille bei den Winterspielen fast ein wenig unter.

„Sie haben deutsche Eishockey-Geschichte mitgeschrieben. Wir sind stolz darauf, dass jemand aus unserer Stadt kommt, der eine solche sportliche Karriere hingelegt hat“, sagte der Bürgermeister und wies darauf hin, dass der 33-Jährige beim olympischen Turnier als bester Torwart ausgezeichnet wurde. Um zu verarbeiten, was die Nationalmannschaft und er in Pyeongchang erreicht haben, benötigte er aber Zeit. „Als wir in das Finale eingezogen sind und ich mit als letzter Spieler in die Kabine kam, war es dort ganz still. Keiner hatte verstanden, was gerade passiert war. Erst als wir nach dem Endspiel die Medaillen in den Händen hielten, wussten wir, dass wir etwas Besonderes vollbracht hatten“, berichtet aus den Birken. „Außerdem als bester Torwart geehrt zu werden, ist eine große Ehre. Aber auch diese Auszeichnung ist für mich untergegangen. Man muss erst einmal seine Emotionen in den Griff bekommen, um alles zu realisieren.“

Nach dem unerwartet langen Turnier bei den Winterspielen und der kräftezehrenden DEL-Saison mit dem entscheidenden Sieg im siebten und letzten Finalspiel gegen Berlin sagte aus den Birken für die derzeit laufende Weltmeisterschaft — Deutschland ist bereits als Elfter ausgeschieden — ab. „Ich fühlte mich nicht zu 100 Prozent fit. Auf der Torhüterposition sind wir auch ohne mich sehr gut besetzt“, sagt er. Er genießt nun die eisfreie Zeit, größtenteils bei der Freundin in Iserlohn, besucht Familie und Freunde und hält sich jeden Tag mit Privateinheiten fit. Sein Vertrag in München geht noch ein Jahr und das Ziel für die neue Saison ist klar: „Man will nie weniger erreichen als in der Saison davor.“

Was danach passiert, steht nicht fest. Sein Traum ist es weiterhin, für einen Club aus der NHL aufzulaufen. Angebote aus der nordamerikanischen Profiliga gingen aber nicht bei ihm ein. Nach der Zeit in München kann er sich einen Wechsel zurück ins Rheinland vorstellen, doch richtig beschäftigt habe er sich mit dem Thema noch nicht: „Ich bin 33 Jahre alt, werde nicht jünger. Deshalb muss man abwarten, was passiert. Solange ich gesund bin und es mir Spaß macht, kann ich mir gut vorstellen, noch bis 40 zu spielen.“