Anwohner: „B 230 ist gefährlich“

Anwohner: „B 230 ist gefährlich“

Seit dem Umbau ist die Bundesstraße schmaler. Es hat mehrere schwere Unfälle gegeben.

Neuss. Sobald es um die Bundesstraße 230 (B 230) zwischen Holzheim und Liedberg geht, beschleicht Rudolf Hillebrand ein mulmiges Gefühl. Seit dem im Dezember 2017 fertiggestellten Umbau ist der Mann aus Rosellerheide froh, dass er sie nicht mehr regelmäßig beruflich nutzen muss, um nach Mönchengladbach-Giesenkirchen zu fahren. „Warnende Stimmen von Anwohnern hat es schon im Vorfeld der Baumaßnahme gegeben, sie wurden einfach ignoriert“, betont er. Die neugestaltete Straße sei nun aber schon bei mehreren Unfällen zu einer bösen Falle geworden. Auch Hillebrands Schwiegersohn wurde auf der B 230 bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt.

Was viele Verkehrsteilnehmer bemängeln: Die Straße wurde von zwölf auf acht Meter Breite verkleinert. Wo früher ausreichend Platz war, entgegenkommendem Verkehr auszuweichen, ist jetzt größtenteils eine Leitplanke. Ausweichen ist damit kaum noch möglich. Rudolf Hillebrand spricht von einer „lebensgefährlichen Baumaßnahme“.

2,2 Millionen Euro hat der zuständige Landesbetrieb Straßen.NRW für die Bauarbeiten an der B 230 in die Hand genommen. Erforderlich war die Maßnahme, weil die Deckschicht erneuert werden musste. Straßen.NRW hatte sich für eine umfassende Sanierung entschieden Laut Klaus Münster, Abteilungsleiter Planung, hat man sich dabei an den Richtlinien der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) orientiert. „Sie hat festgelegt, dass ein überbreiter Querschnitt mit befestigtem Seitenstreifen, wie es ihn zuvor auf der B 230 gab, nicht mehr zeitgemäß ist“, erklärt Münster. Daher wurde der neue, deutlich verschlankte Querschnitt für die Gestaltung gewählt.

Die alte Fahrbahnbreite wurde noch angelegt, damit der oft auf der B 230 vorkommende landwirtschaftliche Verkehr wie Traktoren oder Zuckerrübenfahrzeuge mehr Platz hat. Vor dem Umbau nutzten sie den Seitenstreifen auch, um zum Beispiel Autos das Überholen zu erleichtern.

Jetzt, ohne Seitenstreifen, gibt es diese Möglichkeit nicht mehr. Verkehrsteilnehmer beklagen, dass es immer wieder Autofahrer gibt, die die Geduld verlieren und zu riskanten Überholmanövern ansetzen.

„Konnte man früher überholendem Gegenverkehr notfalls noch ausweichen, ist dies jetzt nicht mehr möglich“, betont Rudolf Hillebrand. Für ihn ist klar: Die Maßnahme ist eine Fehlplanung und bedarf einer Nachbesserung. Paul Loch nutzt die B 230 schon gar nicht mehr. „Wenn es irgendwie möglich ist, umfahre ich sie. Notfalls auch weiträumig“, sagt der Liedberger. Früher war die Bundesstraße für ihn eine schnelle und gute Verbindung nach Düsseldorf. „Aber jetzt, nach dem Umbau, fühle ich mich dort als Autofahrer nicht mehr sicher. Da nehme ich lieber einen Umweg in Kauf, auch wenn das zum Teil deutlich länger dauert.“

Seit Fertigstellung der Sanierung, samt Verschlankung der B 230, hat es dort laut Kreispolizei einen Unfall gegeben, bei dem ein Motorradfahrer ums Leben kam, sowie drei Unfälle mit Schwerverletzten und drei weitere Unfälle mit Leichtverletzten. Auch wenn jeder Unfall seine eigene Geschichte hat, sind dies Zahlen, die das Sicherheitsempfinden vieler Autofahrer nicht gerade stärken. Dafür aber das Unverständnis für die Maßnahme.

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