Mönchengladbach: Bezirksvorsteherin Barbara Gersmann tritt nicht wieder an

Kommunalwahl 2020 in Mönchengladbach : Bezirksvorsteherin hört auf

Barbara Gersmann will sich aktiver in die Parteiarbeit einbringen.

Es gibt nicht viele Frauen, die in der Mönchengladbacher Politik an führenden Stellen sitzen. Und noch weniger sind es, die sich auch mal unerschrocken in den Gegenwind stellen. Barbara Gersmann, seit 2014 Bezirksvorsteherin mit SPD-Parteibuch im Mönchengladbacher Süden, gehört ohne Zweifel dazu. Mit Ambitionen für höhere Ämter – vom Ratsmandat mit Posten im Fraktionsvorstand bis zur OB-Kandidatur war sie mit Blick auf die Kommunalwahl 2020 für vieles im Gespräch.

Umso überraschender kam für manche Genossen ihre Nachricht, die sie am Dienstag im Verteiler fanden: Sie werde in der nächsten Wahlperiode kein kommunales Mandat anstreben, kündigt Gersmann darin an. Was konkret heißt, dass sie weder für den Stadtrat noch für die Bezirksvertretung kandidieren wird. Die politische Arbeit will die 44 Jahre alte Rechtsanwältin aber nicht einstellen. Sie wolle, so teilte sie mit, ihre Kraft und ihr Engagement „lieber in die Stärkung und den Wiederaufbau dieser großartigen Partei stecken“. Die Partei sei die Grundlage für das Agieren der Fraktion und gebe deren inhaltliche Linie vor. „Ich habe mich daher entschieden, meine Zeit für ein Engagement in der Partei und nicht in ein Mandat zu investieren.“

Das klingt nicht nach Rückzug – und ist auch nicht so gemeint. Denn Gersmann nimmt auch jetzt kein Blatt vor den Mund. „Es erschüttert mich, was in meiner Partei auf allen Ebenen passiert“, sagt sie. Besonders die Suche nach einer neuen Bundesparteispitze werde die SPD nachhaltig schädigen. „Ich komme mir vor, wie in einer Casting-Show“, so Gersmann. Doch auch auf kommunaler Ebene sei die SPD nicht so aufgestellt, wie sie sich das wünsche.

Um das zu ändern, reiche nicht guter Wahlkampf, man müsse an die Basis der Partei gehen. Und: „Wir müssen inhaltlich wieder wahrnehmbarer werden. Die sozialdemokratische Linie geht mir verloren.“ Was die Linie sein sollte? „Jeder sollte die Möglichkeit haben, durch eigener Hände Arbeit seinen Weg zu finden.“ Dazu gehörten beste Bedingungen in Kita und Schule.

Sie fordert inhaltliche Abgrenzungen zur CDU, aber auch zu den Grünen. Der ökologische Umbau müsse gerade in Mönchengladbach angesichts des Strukturwandels im Alltag mitgedacht werden. Schließlich gehe es auch um den Verlust von Arbeitsplätzen. „Ökologischer Umbau ist für mich mehr als sich im Hambacher Forst an einen Baum zu ketten.“

Die Kampfeslust ist offenbar nicht versiegt. In welchen Positionen will sie sich in der Parteiarbeit einbringen? Dazu schweigt Gersmann. Den Vorstand der Mönchengladbacher SPD hat sie sicher im Blick – die Landtagskandidatur 2023 könnte folgen. Oder doch ein Anlauf aufs OB-Amt? „2025 wäre ich 50, ein perfektes Alter für einen OB“, sagt sie und lacht.

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