400 000 jubeln Fischen und Nixen zu

400 000 jubeln Fischen und Nixen zu

Die Veranstalter des Zuges melden einen Besucherrekord. Die Jecken entlang der Strecke sind begeistert.

Mönchengladbach. Timm ist aufgeregt. Es ist kurz nach „High Noon“ an der Lüpertzender Straße. Der kleine blonde Cowboy schaut immer wieder in die Richtung, aus der gleich der Veilchendienstagszug kommen soll. „Noch nichts zu sehen“, verkündet der Siebenjährige, der findet, „dass heute der schönste Tag des Jahres ist — gleich nach Weihnachten“.

Wenige Minuten später nähern sich die ersten Wagen und Fußgruppen. „Jetzt geht’s los“, ruft Cowboy Timm freudestrahlend und fängt die erste Popcorntüte. Als der schwarze Bus mit mehreren Spielern der Weisweiler-Elf („Weisweilers Perlen“) vorbeifährt, werden die „Halt Pohl“-Rufe lauter. Timm hingegen ist etwas enttäuscht: „Davon kenn’ ich keinen. Patrick Herrmann wär mir lieber gewesen.“ Wenig Begeisterung löst auch der erste Mottowagen aus, der — recht brav — zum Energiesparen aufruft.

Das diesjährige Sessionsmotto „Mönchengladbach — Die Perle vom Niederrhein“ spiegelt sich in vielen aufwendig gestalteten Kostümen wider. So präsentiert sich eine Holter Fußgruppe als Froschkönige, die „Narrengarde“ hat sich in „Niederrhein-Piraten“ verwandelt und die Kothausener Karnevalsfreunde stecken in Taucheranzügen, samt Sauerstoffflaschen und Flossen.

Der zweite Mottowagen kommt bissiger daher: Der „Masterplan-Heißluftballon“ kann nicht abheben, weil er an einen „Schuldenballast-Sack“ gekettet ist. „Der Wagen ist richtig gut gemacht und spricht mir aus der Seele“, sagt Brigitte Berger, die mit mehreren Freundinnen an der Hittastraße steht. Insgesamt sind, so schätzt der Chef des Mönchengladbacher Karnevals-Verbandes, Bernd Gothe, rekordverdächtige 400 000 Menschen am Zugweg, was sicherlich auch am tollen Wetter liegt.

Etwa eine Stunde nach dem Start kommt der Zug für längere Zeit zum Stillstand, weil weiter vorne die Gruppen wieder zusammengeführt werden müssen. Die Erdbeeren vom roten Doppeldeckerbus des Konfitüreherstellers Mühlhäuser nutzen die Zeit, um sich die Beine zu vertreten, während die Nixen und Neptune auf dem Wagen der KG Schwarz-Gold Rheydt fröhlich tanzen.

Dann rollt der Zoch wieder — und die Fußgruppe der Interessengemeinschaft „Engelchen“ sorgt für große Heiterkeit entlang der Strecke: Angeführt und dirigiert von einem dicken Chefkoch stimmen die Hummer immer wieder das Lied „Hummer, Hummer, Täterääää“ an. Und wie schon tags zuvor in Rheydt begeistern die Schuldenkraken des Freundeskreises „De Raderdolle“. „Unsere Frauen haben die Kostüme selbst entworfen und genäht“, sagt Dirk Wagner, der den Handwagen der Fußgruppe zieht. „Es ist viel Arbeit, aber es lohnt sich, wenn man die positiven Reaktionen der Leute sieht.“

Cowboy Timm hat mittlerweile eine prall gefüllte Tüte vor sich stehen. Während er stolz seine Ausbeute zeigt, rollt der letzte der insgesamt sieben Mottowagen vorbei: „Renovieren ist Chefsache“, heißt es darauf. Zu sehen ist der neue Papst, der „Nägel mit Köpfen“ macht.

Um 15.25 Uhr setzt sich auch der Wagen von Prinz Markus II. und Prinzessin Niersia Andrea in Bewegung. Auf dem Gefährt sind Fotos von Auftritten des Prinzenpaares — unter anderem in einem Altenheim — abgebildet. Daneben der Satz: „Lachen ist die beste Medizin“. Wenn das stimmt, werden Markus und Andrea Hardenack so bald nicht mehr krank, denn sie kommen aus dem Lächeln nicht mehr heraus.

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