Elektrifizierung der Regiobahn stockt: Rhein-Kreis und Kaarst zeichnen Ausfallbürgschaft

Stadt Neuss wehrt sich gegen Baustellenpläne : Neuss wehrt sich gegen Bahnpläne

Die Stadt Neuss begrüßt den geplanten Ausbau der Bahnstrecke Neuss/Kaarst. Sie lehnt jedoch Pläne der Bahn ab, die Zufahrt der Baustelle durch den Kruchensbusch anzulegen.

Der Rat der Stadt Kaarst ist der letzte Gesellschafter der Regiobahn, der eine Ausfallbürgschaft zeichnen muss, um eine Existenzgefährdung der Regiobahn-Fahrbetriebsgesellschaft (FBG) abzuwenden und den Betrieb aufrecht zu erhalten. Es geht im Rat der Stadt Kaarst am Donnerstag um 179 200 Euro – von insgesamt 1,4 Millionen. Die übrigen Gesellschafter – Rhein-Kreis Neuss, Stadt Düsseldorf und Kreis Mettmann – haben gleichlautende Erklärungen bereits abgegeben.

Eine vom Wirtschaftsprüfer angeratene „reine Vorsichtsmaßnahme“ sei das, betont der Aufsichtsratsvorsitzende Heiner Cöllen. Diese habe keine Auswirkungen auf das Verfahren zu Ausbau und gleichzeitiger Elektrifizierung der Strecke zwischen dem Neusser Hauptbahnhof und dem Bahnhof Kaarster See, betont Cöllen.

Blockadehaltung bei der
Strecke Mettmann bis Wuppertal

Cöllen hat noch eine gute Nachricht in petto hat: In die Diskussion um eine Verlängerung der Regiobahnlinie bis Viersen komme Bewegung. Es zeichne sich ab, als könne man bald in Planungen einsteigen, sagt Cöllen. „Die Blockadehaltung scheint aufgegeben“, sagt er vorsichtig.

Eine andere Blockadehaltung allerdings sorgt dafür, dass das Verkehrsunternehmen bei der Elektrifizierung der Strecke Mettmann bis Wuppertal-Darnap nicht weiterkommt. Der Widerspruch eines einzelnen Anliegers sorge dafür, dass noch kein Baurecht vorliegt. Daraus und aus der Tatsache, dass die Elektrifizierung der Strecke für diesen Abschnitt neu ausgeschrieben werden muss (Cöllen: „Es gab nur ein Angebot – zu Mondpreisen“), bringt die Regiobahn in eine schwierige Lage: Im Vertrauen darauf, dass sie künftig nur Elektro-Züge einsetzt, hat der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) vier Fahrzeuge gekauft, die im Dezember ausgeliefert werden. Die Regiobahn wäre zu deren Übernahme, Pacht und Wartung verpflichtet – kann sie aber erst ab 2021 einsetzen.

Hinzu kommt, dass sich aus der verspäteten Fertigstellung der Strecke Mettmann-Wuppertal Schadenersatzansprüche des VRR auf Basis des geschlossenen Verkehrsvertrages ergeben – und der VRR kein Entgelt zahlt. Er sei aber dabei, sagt Cöllen, mit dem VRR über einen späteren Termin für die Betriebsaufnahme und eine andere Verwendung der vier Elektro-Züge zu verhandeln.Neuss ist finanziell nicht betroffen. Die Stadt begrüßt den zweispurigen Ausbau und die Elektrifizierung der Strecke bis Kaarst, muss den Planern aber jetzt doch auf die „Pfoten“ hauen. Denn aus den Plänen sei ersichtlich, dass die Baustelle Bahnstrecke über einen Weg erschlossen werden soll, der durch die Grünanlage Kruchensbusch führt.

Dagegen verwahrt sich die Stadt Neuss ebenso wie gegen die Idee der Planer, im Kruchensbusch etwa ein Materiallager für die Bauzeit anzulegen. Beides ginge nicht, weil die Parkanlage Kruchensbusch, nachdem das Projekt Jostensbusch gerade abgeschlossen werden konnte, zeitnah revitalisiert werden soll.

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