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Kreis Viersen: Reibungsloser Impfstart in Lobberich und Süchteln

Kreis Viersen : Reibungsloser Impfstart

Bewohner und Mitarbeiter von Altenheimen in Süchteln und Lobberich erhielten am Sonntag die ersten Impfungen im Kreis. Dienstag geht es weiter.

Am Sonntagvormittag fiel auch im Kreis Viersen der Startschuss für den Impfmarathon, der in ganz Deutschland am 27. Dezember begonnen hat und der – so die allgemeine Hoffnung – zu einer zügigen Verbesserung in den stark belegten Krankenhäusern führen wird. Und langfristig wieder Normalität bringen möge.

Das Altenheim Irmgardisstift in Süchteln war eines der ersten beiden Pflegeheime im Kreis, die vom mobilen Impfteam der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO) Besuch bekamen. Als erste Bewohnerin wurde die 96-jährige Maria Dahmen gegen 11.25 Uhr gegen das Coronavirus geimpft. Für sie sei es nur ein kleiner Pieks gewesen, der nicht wehgetan habe, sagt sie am Sonntag. Auch die zehn Jahre jüngere Gertrud Janßen, die als nächste an der Reihe war, betonte, sie habe keine Bedenken bei der Impfung. Sie hoffe, dadurch nicht an Corona zu erkranken.

Vor der Impfung wurden Schnelltests durchgeführt

Nahezu zeitgleich erhielt auch Einrichtungsleiterin Tanja Blazetic ihre Impfung. „Wir sind stolz, zu den ersten Einrichtungen zu gehören, in denen in NRW geimpft wird“, sagte Blazetic. Die Mitteilung, dass das Süchtelner Haus aufgrund der Altersstruktur und Pflegegrade zu den ersten gehören würde, erhielt die Einrichtungsleiterin am Abend des 17. Dezembers per E-Mail von der KVNO. Entsprechende Vorbereitungen folgten, zu denen auch die Aufklärung der Bewohner und Mitarbeiter über die Impfung gehörte.

Angeliefert wurde der Impfstoff in Süchteln am Sonntag um 9.35 Uhr per Bote und mit einer Temperatur von 4 Grad Celsius. Als Impfteam standen der medizinische Leiter Dr. Arndt Berson und Dr. Petra Jasker von der KVNO bereit, unterstützt von Markus Wölfel, dem Kooperationsarzt des Altenheims, seiner Frau und Arzthelferin Kirsten Wölfel und Dr. Klaus Eirmbter mit seiner Frau Barbara. Letztere kümmerte sich als Apothekerin um die Aufbereitung deds Impfstoffes, denn zunächst galt es, die 16 angelieferten Ampullen vorzubereiten. Sie mussten mit 0,9 prozentiger steriler Kochsalzlösung verdünnt werden, wobei eine Ampulle fünf Dosen ergab. So wurden je fünf Spritzen aufgezogen und verimpft, bevor die nächste Fünfergruppe an der Reihe war.

Nur wenige lehnten die Impfung ab, auch Reste wurden verwendet

Die Bewohner selber wurden in ihren Einzelzimmern geimpft, für die Mitarbeiter waren zwei Speiseräume  leergeräumt worden. Alle Bewohner und Mitarbeiter mussten sich vorab einem Schnelltest unterziehen. Begleitet von einer Pflegefachkraft startete Wölfel die Impfungen bei den Bewohnern  – als betreuender Arzt war er im Haus kein Fremder. Dr. Klaus Eirmbter kümmerte sich um die Mitarbeiter.

Leiterin Blazetic berichtete von einer hohen Impfquote in ihrer Einrichtung: Von den 40 Bewohnern lehnten nur drei eine Impfung ab, bei den 52 Mitarbeitern verzichteten acht Personen. „Es waren meist jüngere Mitarbeiter, die sich sorgen, ob der Impfstoff Auswirkungen auf einen möglichen Kinderwunsch hat“, so Blazetic.

So wären am Ende einzelne Impfdosen ungenutzt geblieben, aber „es wäre ja das Schlimmste, wenn da Impfstoff verfällt“, so Dr. Berson. Schnell hätten sich Angehörige von Mitarbeitern des Altenheims gefunden, die mit über 80 Jahren auch impfberechtigt waren und sich das Mittel gerne verabreichen ließen.

Zunächst keine Änderungen
bei Zugangsbeschränkungen

Ähnlich habe man es in der Seniorenresidenz am Park in Nettetal-Lobberich gehandhabt, der zweiten Einrichtung, in der am Sonntag im Kreis Viersen Menschen gegen das Coronavirus geimpft wurden. Dr. Dirk Böhmer als Hausarzt und ein Kollege des Lobbericher Krankenhauses waren dort in etwa zeitgleich mit dem Süchtelner Team im Einsatz und standen mit Dr. Berson als medizinischem Leiter in Kontakt.

Auch in Lobberich blieben einige Impfdosen übrig. Für diesen Fall hatten, so Dr. Berson, bereits im Vorfeld Bewohner des angerenzenden betreuten Wohnens Interesse angemeldet. So konnte auch dort der Impfstoff restlos genutzt werden.

Ob sich an den Zugangsbestimmungen für die Alten- und Pflegeheime nach dem Impfstart schnell etwas ändern wird, ist fraglich. In Süchteln sollen die Corona-Schutzmaßnahmen zunächst in keiner Weise gelockert werden. Wie dies nach der benötigten zweiten Impfung und der Wartezeit bis der Impfschutz vorhanden ist aussieht, kann Einrichtungsleiterin Blazetic noch nicht sagen: „Wir hoffen, dass wir ein Stückweit mehr Normalität in unserem alltäglichen Leben erhalten.“

1100 weitere Impfungen im
Kreis für Dienstag geplant

Die Impfungen liefen bis in den späten Nachmittag hinein, wobei die bereits geimpften Bewohner durch eine engmaschige Vitalzeichenkontrolle betreut wurden: Je eine Pflegefachkraft stand für vier Bewohner bereit. Das Impfteam war zudem mit entsprechendem Notfall-Equipment ausgerüstet, um jederzeit eingreifen zu können, wäre es zu einem Zwischenfall gekommen.

Die Bewohner blieben alle in ihren Zimmern und erhielten dort auch ihre Mahlzeiten. Lob gab es  von Dr. Berson. Der Vorsitzende der Kreisstelle Viersen der KVNO, der auch das Corona-Untersuchungszentrum (CUZ) in Kempen leitet, hob die „perfekte Organisation“ in den Senioreneinrichtungen hervor: „Es läuft alles super. Hut ab.“

Am Montag werden zunächst keine weiteren Heime im Kreis angefahren, so Dr. Berson. Das liege nicht an der KVNO, denn die Verteilung des Impfstoffes liegt beim Land. Er sei aber nicht unglücklich über die Pause, denn die Ärtzte der Impf-Teams würden nach den Feiertagen bestimmt in ihren eigenen Praxen gebraucht. Viele Patienten mit Grippe-Symptomen hätten sich bereits angekündigt. Und auch im CUZ stelle man sich auf zahlreiche Corona-Tests am Montag ein.

Für Dienstag aber seien rund 1100 weitere Impfdosen für den Kreis Viersen angekündigt, so Dr. Berson. In fünf Pflegeheimen sollen diese dann verabreicht werden. Mit einem Start im Impfzentrum, das der Kreis im ehemaligen Dülkener Krankenhaus eingerichtet hat, rechne er in diesem Jahr nicht mehr. Aber auch dort sei man bestens vorbereitet.