Stolpersteine in Kempen — der zweite Versuch

Stolpersteine in Kempen — der zweite Versuch

Schüler des Gymnasiums Thomaeum wollen an die Opfer des Holocaust erinnern. Von der evangelischen Kirchengemeinde bekommen sie Unterstützung.

Kempen. Es war das Diskussionsthema des Jahres 2011: Sollen in Kempen Stolpersteine zum Gedenken an die Opfer des Holocaust verlegt werden? Am Ende sprachen sich Politik und Verwaltung gegen die Erinnerungszeichen aus, die in vielen deutschen Städten liegen — zum Beispiel vor Häusern, in denen früher von den Nazis ermordete jüdische Mitbürger gelebt haben. In geheimer Wahl gab es im Juli 2011 im Kempener Stadtrat 21 Nein- und 15 Ja-Stimmen sowie zwei Enthaltungen bei der Stolperstein-Frage. Der Antrag wurde abgelehnt.

Die Verwaltungsspitze und in erster Linie die CDU-Fraktion waren damals der Meinung, dass es in Kempen mit der Stele vor dem Rathaus und dem Mahnmal an der Umstraße bereits „ausreichend Gelegenheiten zur Erinnerung“ an die Opfer des Nazi-Regimes gibt.

Nun wagt eine Kempener Initiative aber einen neuen Vorstoß, die Stolpersteine in der Stadt verlegen zu lassen. Diese Initiative kommt aus dem Gymnasium Thomaeum. Der noch amtierende Schülersprecher Alexander Tauber wird am Donnerstag einen entsprechenden Antrag im Rathaus einreichen. Unterstützung bekommt er von der Schulpflegschaftsvorsitzenden, Ute Gremmel-Geuchen, und dem Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde, Bernd Wehner. Und mit Berufsschulpfarrer Roland Kühne ist ein weiterer Geistlicher mit im Boot beim zweiten Versuch, Stolpersteine in Kempen zu verlegen. Ein Religionskurs von Kühne wird bei der Übergabe des Antrages im Rathaus dabei sein.

Bereits vor einem Jahr hat sich die Schülervertretung des Gymnasiums Thomaeum dafür ausgesprochen, das Projekt Stolpersteine zu unterstützen. Die Schüler kennen dieses Projekt aus vielen anderen deutschen Städten. Angeregt durch Initiativen anderer Schulen, zuletzt des Michael-Ende-Gymnasiums in St.Tönis, werden Thomaeer nun gemeinsam mit der Initiative Projekt Stolpersteine und der evangelischen Kirchengemeinde den Antrag an den Stadtrat stellen. In Projektkursen am Thomaeum, am LvD-Gymnasium und am Berufskolleg wird bereits zum Thema „Widerstand und Verfolgung im Dritten Reich in Kempen“ gearbeitet. Red/tkl

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