Oedter Ehrenmal wurde vor 90 Jahren errichtet

Vor 90 Jahren errichtet : Die zwei Existenzen des Oedter Ehrenmals

Das Ehrenmal, das der Opfer des Ersten Weltkrieges gedachte, steht seit 1967 wieder – fast am alten Standort.

Leicht übersehen kann man das Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges der ehemaligen Gemeinde Oedt. Es steht nördlich der Vituskirche auf dem Kirchplatz, wo es auch 1929 bereits fast an derselben Stelle stand. Vier Jahre später, als die Nationalsozialisten 1933 die Macht in Deutschland ergriffen, wurde es als „armseliges Kriegerdenkmal“ verunglimpft, das einem „indischen Buddhistenstandbild“ gleiche. Diese außergewöhnliche Bewertung nahm die NSDAP noch im selben Jahr 1933 vor, als sie in Oedt zur Gemeinderatswahl antrat, sechs Wochen nach der Machtergreifung in Berlin. Sie errang am 12. März bei den Oedtern fünf der 18Sitze im Gemeinderat. Ein halbes Jahr später tagte der Gemeinderat ein letztes Mal. Die Entscheidungen traf fortan ein sogenannter Beschlussausschuss, dem neben dem Bürgermeister und den beiden Beigeordneten nur noch die fünf Mitglieder der NSDAP angehörten.

Teile des Denkmals waren auf verschiedene Gärten vertreut

Das wiedererrichtete Ehrenmal steht unter Denkmalschutz. Foto: alfred knorr

Das Krieger-Ehrenmal wurde 1967 abgetragen und 2002 nur wenige Meter neben dem alten Standort wieder errichtet. Warum das Krieger-Ehrenmal abgebrochen wurde, erklärt sich vielleicht mit der Neuerrichtung eines Mahnmals für die Gefallenen der letzten Kriege auf dem Oedter Friedhof, argumentiert der Vorsitzende des Heimatvereins Oedt, Karl A. Willmen.

Das wieder errichtete Ehrenmal, das 2006 unter Denkmalschutz gestellt worden ist, konnte nur neu aufgestellt werden, weil die figürlichen Darstellungen noch in verschiedenen Oedter Gärten aufbewahrt worden waren. Nur der Sockel musste neu hergestellt werden. Auf dem unregelmäßig achteckigen Sockel ist eine polygonale Mittelsäule aufgesetzt, die von vier sitzenden Löwenfiguren flankiert wird. Auf der Säule kniet die jungenhafte Figur des heiligen Vitus, der Schutzpatron der Oedter Kirche ist. Die Inschrift auf einer Seite der Säule lautet: „1914-1918 Unseren Gefallenen – Die Gemeinde Oedt“. Dazwischen befindet sich das alte Gemeindewappen.

Auf den anderen Seiten der Säule sind die Namen der über hundert in den beiden Weltkriegen gefallenen Soldaten aus Oedt eingemeißelt. Am Übergang zur Vitusfigur sind vier „Eiserne Kreuze“ im Muschelkalk gemeißelt. Am Sockel eines der Löwen ist der Name des Künstlers, Eugen Senge-Platten, zu erkennen, der vor genau 90 Jahren das Ehrenmal geschaffen hat.

Mehr von Westdeutsche Zeitung