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Landwirte in Ratingen kämpfen für ihre Zukunft

Ratingen : Großes Interesse an Landwirtschaft

Auf Gut Grashaus in Homberg gab es eine interessante Diskussion – so auch mit Ministerin Ursula Heinen-Esser.

In der riesigen Halle auf Gut Grashaus an der Grevenmühle in Homberg sitzen die Besucher in angemessenem Abstand auf den einzeln aufgestellten Stühlen. Nahezu jeder Stuhl ist besetzt. Das Interesse an der Landwirtschaft ist auch in der Bevölkerung groß. So waren viele der Einladung des CDU-Ortsverbandes Homberg-Meiersberg-Schwarzbach sowie der Mittelstands- und Wirtschaftsunion zu einem Abend rund um das Thema „Landwirtschaft 2020: Ganz schön vertrackt?“ gefolgt.

Wie vertrackt die Arbeit als Landwirt sein kann, machte gleich zu Anfang Ursula Heinen-Esser, NRW-Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz, deutlich: „Die Landwirtschaft befindet sich im Spannungsfeld zwischen Klimawandel, Biodiversität und Verbraucherverhalten.“

Dabei kam sie natürlich auf die Situation im Lebensmittelhandel zu sprechen. „Ein Angebot von 3,39 Euro für 800 Gramm Bratwurst ist unwürdig gegenüber dem Tier“, betonte sie. „Niemand ist in der Lage, von so einem Preis zu leben.“

Spätestens seit dem Fall Tönnies ist die Misere offensichtlich

Für 3,39 Euro für 800 Gramm Bratwurst ließe sich weder ein Schwein züchten noch in die Schlachtung geben. Der Fall Tönnies habe die ganze Misere deutlich gemacht. Vorsichtig fragte sie in die Runde: „Haben wir uns mal überlegt, ob das nicht an unserem Verhalten als Verbraucher liegt?“

Ein wenig zu vorsichtig, denn ganz offensichtlich liegt es am Verbraucherverhalten, am Streben nach dem billigsten Preis. Das Spannungsfeld des Klimawandels bekommen vor allem Großbetriebe in der Viehwirtschaft zu spüren. „Das Emissionsschutzgesetz widerspricht dem Tierwohl“, erläuterte ­Heinen-Esser.

Um Emissionen zu vermeiden, müssten die Tiere in einem riesigen Stall mit Filteranlagen untergebracht werden, das Tierwohl liegt aber vielmehr in Offenställen. Nachdem die Spannungsfelder angesprochen worden waren, ließ Max Grashaus die Besucher an seiner erfrischenden Leidenschaft für die Landwirtschaft teilhaben. Obwohl der Landwirt in der Gesellschaft in der Kritik stehe, in den Medien meist negativ dargestellt werde, sei es einer der vielfältigsten Berufe der Welt.

„Man lebt mit der Natur, hat immer Herausforderungen, es wird nie langweilig.“ Max Grashaus ist auf Gut Grashaus aufgewachsen, das 1539 erstmals erwähnt wurde und seither in Familienbesitz ist. Inzwischen studiert er Agrarwissenschaften und gab einen Einblick in die Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten in der Sparte Landwirtschaft, ebenso in den Wandel. Denn neben der Lebensmittelerzeugung erobern sich Landwirte inzwischen auch Zweige wie die regenerativen Energien, Direktvermarktung und Hofcafés.

Wie sehr Technik und digitale Modernisierung die Arbeit als Landwirt erleichtern, beschrieb der Ratinger Johannes Paas. Das beginnt bei Melkrobotern, Sensoren für die Temperaturmessung bis hin zum digitalisierten Abfahren der Felder, was nicht nur dem Landwirt ermöglicht, sich auf andere Dinge als das Lenken zu konzentrieren, sondern auch eine Dieselersparnis von fünf Prozent mit sich bringt.

„Wir müssen einen Düngeplan machen“, erzählte Paas, „dazu brauchen wir viele Daten und die Programme, um sie auszuwerten.“ Obwohl er den Eindruck habe, in den Augen der meisten Leute dürften die Landwirte nicht modernisieren, sei auch hier klar: „Stillstand heißt Rückschritt.“ Man müsse sich weiterentwickeln.

(Sandra Grünwald)