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Haus und Grund kritisiert neuen Wassertarif

Haus und Grund kritisiert neuen Wassertarif

Dem Verband zufolge bringt die Preisumstellung Mehrkosten von bis zu 80 Prozent mit sich.

Ratingen. Der Protest gegen die Einführung eines neuen Wassertarifes durch die Stadtwerke Ratingen GmbH nimmt zu. Nun läuft Haus und Grund Düsseldorf und Umgebung gegen die neue Tarifstruktur Sturm. Wie berichtet haben die Stadtwerke Ratingen unter Umgehung des Rates zum 1. Juni die Wasserbezugspreise angepasst, so dass die Grundkosten für kleinere und mittlere Wohngebäude deutlich gestiegen seien, so Haus und Grund. Zuvor hatten schon die Grünen und der BUND protestiert.

Johann Werner Fliescher, Verbandsvorstand Haus und Grund

„Wir haben einmal kritisch nachgerechnet“, sagt Vorstand Dr. Johann Werner Fliescher. Der Vermieter eines Gebäudes mit sechs Wohnungen und einem Verbrauch von 309 m³ zahle anstatt 664,57 Euro nun 863,10 Euro, so Fliescher, das entspreche Mehrkosten von rund 30 Prozent. „Ein Ein-Personen Haushalt in einem Einfamilienhaus mit einem Verbrauch von 40 m³ zahlt anstatt 86,03 Euro nun 155,55 Euro — hier entstehen sogar Mehrkosten von 80 Prozent.“

Diese Mehrbelastung sei nicht nur ungerecht, sie führe auch bei größeren Mehrfamilienhäusern dazu, dass kein Anreiz mehr zum Wassersparen besteht. „Die in den vergangenen Jahren getätigten umfangreichen Investitionen der Bürger in wassersparende Armaturen und sparsame Wasch- und Spülmaschinen werden so konterkariert“, sagt Fliescher.

Bei jedem Neubau sieht die Landesbauordnung vor, dass Wasserzähler in die Wohnungen eingebaut werden müssen. Warum, fragt der Haus und Grund Vorstand, sollen Eigentümer und Mieter diese Kosten tragen, wenn sich die Sparsamkeit nicht positiv finanziell auswirke?

Zudem sieht Fliescher wegen der Wasserpreise für gewerbliche Nutzungen rechtliche Probleme bei dieser Preisumstellung. Ein gewerblicher Nutzer mit einem Verbrauch von 40 m³ zahlt nämlich nur 111,89 Euro jährlich. Die Preissteigerung beträgt dann nicht — wie bei einem Einfamilienhaus — 80 Prozent, sondern nur 30 Prozent. Bei dem Verbrauch von 309 m³, so Fliescher, zahle ein Gewerbetreibender nicht 30 Prozent, sondern nur knapp acht Prozent mehr.

Ein Preissystem sollte gerecht wie möglich sein und alle Verbraucher gleich behandeln. Das sei mit diesem System, so der Jurist, nicht gewährleistet. „Ich bezweifele auch, dass die Anzahl der Wohnungen in Ratingen korrekt ermittelt wurde“, sagt Fliescher. Zwar gab es im Jahr 2015 eine Umfrage der Stadtwerke zur Zahl der Wohnungen in einem Gebäude, jedoch habe diese möglicherweise nicht jeder Eigentümer beantwortet. Insofern, so der Haus und Grund-Vorstand, wäre die Aussage, die Stadtwerke hätten auf Kostenneutralität geachtet, nur tragbar, wenn alle Wohnungen im Stadtgebiet ermittelt worden seien. jopr