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Protestplakat schmäht Wildwiesen

Protestplakat schmäht Wildwiesen

Anders als eine klassische Rasenfläche wird eine Wildwiese nur zweimal im Jahr gemäht. Ein Unbekannter hat mit einem Plakat nun seinen Ärger darüber ausgedrückt. Die Stadt plant derweil weitere urwüchsige Flächen.

Ratingen. Der Anblick schöner Wiesen kann manchen Stadtmenschen mächtig irritieren. Warum muss das so ungepflegt sein, wird sich offenbar eine unbekannte Person beim Blick auf die beiden Wildwiesen an der Wallstraße gefragt haben. Und hat ein recht aufwändig gestaltetes Plakat aufgestellt. „Zustand der Flora wie Ukraine vor dem Chernobil 1986“, stand dort zu lesen.

Foto: Joachim Preuss

Von der Stadt Ratingen war es jedenfalls nicht, das bestätigte Frank Licht, Amtsleiter Kommunale Dienste. Es hätte ja auch auf eine umweltpolitische Aktion hinweisen können. So aber wird einfach mal Bürgerprotest unterstellt. Die Schild hat Licht sofort entfernen lassen. Denn dass dort nicht wie sonst üblich regelmäßig gemäht und Unkraut gezupft wird, hat seinen Sinn: Die beiden Flächen zu Seiten des kleinen Parks „werden extensiv bewirtschaftet“, wie es der Experte bezeichnet. Für Nicht-Hobbygärtner: Die Fläche zweimal gemäht und ansonsten sich selbst überlassen — in der Hoffnung auf eine wunderschöne Blühwiese mit vielen bunten Blumen und sogar Wildkräutern.

Das habe dort, wo das Schild stand, nicht so ganz funktioniert: „Der Boden dort ist zu nährstoffhaltig.“ Da werde man doch mal mähen müssen. Die andere habe sich dagegen wunschgemäß entwickelt. Der übereifrige Vorgartenbesitzer erfreut sich vielleicht eher am akkurat geschnittenen und möglichst von „Unkraut“ befreiten Schurrasen gleich nebenan im „Garten der Sinne“. Dort, wo große Blumenkästen Blinden und Sehbehinderten das Ertasten von Grün und Kunst ermöglicht wird.

In diesem Bereich war auch mal eine Fläche für „Urban Gardening“ geplant: Doch der Rat lehnte diesen Standort ab.

Doch es geht um viel mehr als nur um einen schönen Anblick. Licht will auch vor der Hintergrund des allgemeinen Insektensterbens mit einem Fünf-Punkte-Programm möglichtst zusammenhängende Bereich mit natürlichem Wiesengrün schaffen. Unter anderem sollen Bestandsflächen und Soll-Flächen gelistet werden. Ein wichtiger Punkt ist auch die Kommunikation: Erklärtafeln an den Wildwiesen wären hilfreich, „extensiv“ von ungepflegt zu unterscheiden. Und gerade Kinder könnte man mit Hinweisen auf das Insektenleben begeistern. Das zeigen jedenfalls die regelmäßigen Besuche bei den Ratinger Imkern.

Jedenfalls waren die beiden Mitarbeiter eines Planungsbüros, die das Umfeld des Hertie-Hauses (es soll abgerissen werden) dokumentierten, von der Artenvielfalt auf Wiese ganz angetan: „Es summt und brummt.“