Ratinger Öko-System : Bauprojekt Voisweg steht in der Kritik

Anwohner haben große Bedenken, die Stadt hat nun ein Gutachten in Auftrag gegeben. 

(kle) Das umstrittene Bauprojekt am Voisweg in Ratingen Süd sorgt weiter für Gesprächsstoff. Auf der Homepage des Vereins Ratingen.nachhaltig führen Anwohner in einem Gastbeitrag auf, warum das Bauvorhaben aus ihrer Sicht nicht zu verantworten ist.

Die Fläche rund um den Schwarzen See ist Landschaftsschutzgebiet. Aus ihr sei im Jahr 2006 willkürlich ein Teil herausgeschnitten und über eine Änderung des Flächennutzungsplanes in Wohnbaufläche umgewandelt worden.

Dabei handele sich nicht um eine wie in der Vorlage der Stadt bezeichnete Brachfläche, sondern um ein völlig intaktes, über viele Jahrzehnte sich quasi selbst überlassenes Ökosystem, das ein Verbundsystem mit dem auf der anderen Seite befindlichen Schwarzbach bildet (Vogel- und Reptilienwechsel). Es biete Ringelnattern, Salamandern und Molchen, Käuzen, dem Eisvogel und vielen anderen Vogelarten ein Zuhause. Die Artenvielfalt sei in diesem Biotopverbund aus stehenden und fließenden Gewässern sowie Rückzugsorten in der Fläche durch intakten Baumbestand und Totholz einmalig und schützenswert. Hier gehe es nicht um die Bebauung einer Brachfläche, sondern um die Zerstörung eines intakten Schutzgebietes.

Gebietsentwässerung soll besorgniserregend sein

Besorgniserregend sei auch die Tatsache, dass es noch keine Lösung für die Gebietsentwässerung gibt und der Voisweg mit dem Schwarzen See und dem Schwarzbach in einem äußerst sensiblen Gewässerareal liegt. Der Voisweg war in den vergangenen Jahren bereits häufiger von Hochwasser betroffen.

Dabei sei der Schwarzbach über die Ufer getreten; das Wasser hat Gärten überschwemmt und ist teilweise bis auf Häuserhöhe angestiegen. Man müsse befürchten, dass Bauwasser in den Schwarzbach abgeleitet werden soll, womit Beeinträchtigungen der Wasserqualität und eine Gefährdung der gewässertypischen Artenvielfalt verbunden sein werden.

Anwohner halten Bauprojekt
für überdimensioniert

Das derzeit geplante Bauprojekt sei in jeglicher Weise völlig überdimensioniert und werfe zahlreiche Fragen zur Massivität des Eingriffs in die Natur, zu den Umweltbelastungen in der Bauphase und zur Situation nach Vollendung des Vorhabens auf. Es sei im Planungsgebiet so nicht durchführ- und verantwortbar.

Der Rat hat mit Blick auf das Bauprojekt am Voisweg die Einleitung eines Satzungsverfahrens beschlossen – ein erster Schritt auf dem langen Weg zum Baurecht. Ob das Projekt mit 34 Wohnungen realisiert wird, hängt vor allem von einem Gutachten ab, das die Stadt in Auftrag gegeben hat.

Ein Problem ist auch die Verkehrssituation auf der engen Straße, die häufig als Schleichweg genutzt wird. Wie bereits berichtet, ist es vor allem für größere Lkw schwierig, den Voisweg, der von Familien mit Kindern bewohnt wird, zu passieren.