Mettmann : Skateboards, Bratwurst und Nirvana aus den Lautsprechern

Beim Contest am Stadtwald kommt die „Familie“ zusammen.

Der auf den ersten Blick so unscheinbare Junge mit den kurzen braunen Haaren, in T-Shirt und kurzer Hose, haut selbst die erfahrensten Skater von den Socken: beim Contest auf der Anlage im Stadtwald zeigt der 15-Jährige in den vorgegebenen 60 Sekunden 360er Flips und Back Slides vom Allerfeinesten. Kein Trick geht schief, ein absoluter souveräner Run vor den Augen der älteren Skater. „Unglaublich gut der Junge“, schwärmt Andreas aus Aachen anerkennend, „er fährt auf absolut hohem Niveau für sein Alter.“

Viele der Skater kennen sich
von Contests oder den Anlagen

Auch Benni, optischer Prototyp der Szene mit seiner tiefhängenden Hose und dem übergroßen T-Shirt, ist total begeistert – und das, obwohl im selbst heute so gut wie nix gelungen ist. Neid kennt man hier nicht. „Spitze gemacht, superschwierige Tricks, der kann was.“ Antoni heißt der 15-Jährige, der eher durch Zufall zum Skaten gekommen ist. „Direkt neben unserem Haus wurde vor fünf Jahren eine Anlage gebaut und da dachte ich mir, ich probiere das Mal aus, naja und dann bin ich halt dabei geblieben“, erzählt er.

Und dann beginnt es wie aus dem Nichts plötzlich zu regnen, die Skater schnappen sich ihre Boards, rennen unter die aufgestellten Zeltpavillons- Nässe schadet vor allen den Kugellagern. Daher ist jetzt auch Zwangspause angesagt, obwohl der Regenguss schnell vorbei ist, muss jetzt gewartet werden bis die Bahn wieder vollständig getrocknet ist. „Konkurrenzgedanken haben wir gar nicht“, erzählt Mike und nimmt einen Schluck Energydrink. Mit 38 gehört er zu den Älteren der Szene, „wir verstehen uns als eine große Familie, viele von uns kennen sich von Contests oder den großen Skate-Anlagen.

Es gibt Bratwurst vom Grill, Nirvana klingt aus den Lautsprechern. Harald Hain vom DRK hat an diesem Mittag nur wenig zu tun, zeigt auf einen Skater mit Verband im Ellenbogenbereich. „Hier, das war der Einzige, den ich bislang versorgen musste, eine Schürfwunde, nichts Schlimmes. Da passieren auch schon mal ganz andere Sachen.“ Die Jungs können ein Lied davon singen, Andreas hat mehrere Kreuzbandrisse hinter sich, ein anderer zeigt eine lange Narbe am Arm. „Mehrfachbruch, da hat man mir eine Stahlschiene eingesetzt.“ Trotz Verletzungen denkt keiner daran, das Skaten aufzugeben. „Auf gar einen Fall, Skaten ist mehr als sportliche Betätigung, da ist man unter Gleichgesinnten und egal, in welcher Stadt man auf eine Anlage kommt, man wird immer sofort integriert“, weiß Andreas.

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