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Bildung in Mettmann: Gesamtschule wächst schneller als erhofft

Bildung in Mettmann : Gesamtschule ist beliebter als geplant

Der Rat hatte eine vierzügige Gesamtschule beschlossen. Pro Jahrgang ist eine Klasse zusätzlich möglich. Doch das reicht nicht, wie es scheint.

Die neue Gesamtschule Mettmann ist bereits im Gründungsjahr zu klein. Schon beim allerersten Jahrgang mussten sechs Schüler abgelehnt werden – obwohl fünf anstelle der geplanten vier Klassen an den Start gingen. Falls sich am zu engen Zuschnitt nichts ändert, wird die Zahl der Abweisungen bereits beim nächsten Anmeldetermin im Februar deutlich in die Höhe schnellen. So besteht die Gefahr, dass Mettmanner Jugendliche weite Wege per Bus fahren müssen, weil sie in Mettmann keinen Schulplatz bekommen.

Darauf hat Grünen-Fraktionschef Nils Lessing am Dienstagabend im Haupt- und Finanzausschuss hingewiesen. Seine Forderung: Die Stadt möge bei der Bezirksregierung in Düsseldorf eine Aufstockung der Gesamtschule Mettmann von bislang vier auf sechs Züge beantragen. Dies wurde von Schuldezernent Marco Sucic skeptisch beurteilt: „Dafür ist es jetzt sehr spät.“ Schulverwaltung, Bauverwaltung und Bezirksregierung Düsseldorf müssten im Eilverfahren entscheiden. Es gäbe keinerlei Zeit-Puffer. Das wiederum erstaunt Gesamtschulleiter Matthias Messing: „Ich habe die Aufstockung bereits vor Monaten angeregt.“

Aus Sicht der Schule hätte man bereits im Sommer die 150 allerersten Gesamtschüler auf sechs Klassen verteilen und alle Anmeldungen berücksichtigen können. „Kinder und Eltern abzulehnen, macht mir immer Kopfzerbrechen“, sagt Messing. Nun habe sich die Gesamtschule einen guten Ruf erworben. Und werde über die Stadtgrenzen von Mettmann hinaus Schüler anziehen. „Ich weiß von der Gesamtschule Neviges, wohin sich viele Wülfrather Familien orientieren, dass dort pro Jahrgang rund 50 Kinder abgelehnt werden müssen.“ Die Zahlen der Gesamtschulen in Heiligenhaus und Ratingen seien ihm nicht bekannt.

 Nils Lessing (Grüne) bringt sechs Klassen po Jahrgang ins Spiel.
Nils Lessing (Grüne) bringt sechs Klassen po Jahrgang ins Spiel. Foto: "Köhlen, Stephan (teph)"/Köhlen, Stephan (teph)

Falls im kommenden Februar zu viele Kinder für die Gesamtschule angemeldet werden, muss das Los entscheiden. Dabei sind laut Messing die Kriterien von Land NRW vorgeschrieben. Der Notendurchschnitt und das Geschlecht entscheiden letztlich über vier Töpfe, aus denen gelost wird. Die Herkunft der Kinder oder die Schulempfehlung aus der Grundschule werden dabei nicht
berücksichtigt. Da hakte der Mettmanner SPD-Chef Matthias Stascheit ein: „Heißt das, dass Mettmanner Schüler mit einer Hauptschulempfehlung in Nachbarstädte fahren müssten, falls sie an der Gesamtschule abgelehnt werden würden? Die Antwort von Schuldezernent Marco Sucic war: „Ja, ein Schulweg von bis zu 90 Minuten ist zumutbar.“ Damit kämen Schulen in Erkrath, Wülfrath, Heiligenhaus, Haan und sogar Wuppertal und Düsseldorf in Frage. Diese Aufzählung mochte Stascheit nicht widerspruchslos hinnehmen: „Wir haben uns ja gerade für die Gesamtschule entschieden, um jedem Mettmanner Kind in Mettmann einen Schulabschluss ermöglichen zu können.“ In der Ratssitzung am 14. Dezember soll über die Größe der Gesamtschule diskutiert werden.

 Auch Matthias Stascheit (SPD) will keine längeren Schulwege.
Auch Matthias Stascheit (SPD) will keine längeren Schulwege. Foto: SPD Mettmann