Segelfliegen: Abgehobener Lieblingssport

Segelfliegen: Abgehobener Lieblingssport

Anne Krey von der Langenfelder Luftsportgruppe hatte Aussicht auf Platz eins bei der Deutschen Meisterschaft. Dann aber landete sie auf dem Acker.

Langenfeld. Rothenburg ob der Tauber, den Schwarzwald und das Ulmer Münster kennt Anne Krey von oben. Die 30-Jährige ist bei der Deutschen Meisterschaft für Frauen im Segelflug angetreten — und lag zwischendurch richtig weit vorn: „Segelfliegen ist das Tollste auf der Welt“, sagt die Pilotin von der Langenfelder Luftsportgruppe Erbslöh.

Schon mit 15 Jahren interessierte sich Krey für den Sport. „Erst waren meine Eltern dagegen, aber ich blieb hartnäckig“, sagt sie. Der Opa schenkte ihr schließlich einen Schnupperkurs bei der Langenfelder Luftsportgruppe. „Ich habe sofort Feuer gefangen.“ Krey blieb dabei, und kann mittlerweile erste Erfolge vorweisen.

Um den Meistertitel des Deutschen Aero Clubs rangen zwei Wochen lang 40 Fliegerinnen aus ganz Deutschland. Austragungsort war der Flugplatz Erbach bei Ulm. Nach dem vierten Wertungstag lag Krey auf Platz fünf. Täglich ab 11 Uhr begannen die Flüge mit einem Start an der Seilwinde.

Angetreten wurde in drei Klassen, unterschieden nach der Spannweite der Flugzeuge: „Eine typische Aufgabe geht über 300 Kilometer und drei Wendepunkte“, sagt die Langstreckenseglerin. Mit einem Fallschirm auf dem Rücken und einer Landkarte auf dem Schoß ging es auf die vorgegebenen Strecken. Ein GPS-Navigationsgerät registrierte die Position des Flugzeugs — Beweis für die korrekte Lösung der Aufgabe.

Pech am fünften Wertungstag für Krey: Sie verfehlte den richtigen Aufwind, musste nach nur 46 Kilometern zur sogenannten Außenlandung ansetzen, abseits vom Flugfeld. „Ich habe mich in den Acker gebohrt“, sagt sie salopp dazu: „Das ist eine gute Schule. Ich bin zu offensiv geflogen.“

Die ledige Pilotin arbeitet als Prozessingenieurin in der Papierindustrie, fliegt seit elf Jahren in der Luftsportgruppe in Langenfeld-Wiescheid. So einige Wettbewerbserfahrung hat sie dabei gesammelt.

Vor vier Jahren war sie unter den ersten geförderten Fliegerinnen des baden-württembergischen Dr.-Angelika-Machinek-Fördervereins für Frauensegelflug. Junge und erfahrene Pilotinnen zusammenzubringen, sei ein Anliegen des Vereins, sagt Krey: „Bei uns in Langenfeld merkt man es vielleicht nicht so sehr, aber Segelflug ist eine Männerdomäne.“

Bei der Deutschen Meisterschaft hat Krey diesmal als Letzte ihrer Klasse abgeschlossen: „Die anderen konnten noch gut drei Stunden fliegen. Und es gab leider keinen weiteren Tag mehr, an dem ich hätte aufholen können.“ So ließ sie sich und ihr Flugzeug von ihrem Vereinsfreund Matthias Hillmann zum Flugplatz zurückbringen — und sich die Laune nicht verderben: „Besser können zwei Wochen Urlaub nicht sein. Abends zurückzukommen und mit den Mädels zusammenzusitzen ist großartig.“

Als Nächstes könnte es zum Fliegen in die Schweizer Alpen gehen, sagt Krey: „Da gleitet man in den Hangwinden in der Nähe von St. Moritz.“

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