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Langenfeld: Ein neuer „Ankerplatz“ für Katholiken

Langenfeld : Ein neuer „Ankerplatz“ für Katholiken

Die Gemeinde St. Josef und Martin hatte wegen Corona Einweihung abgesagt, lädt aber zum Gucken ein.

Ab heute ist das neue Gemeinde- und Verwaltungszentrum „Ankerplatz“ an der St. Josef-Kirche für die Bürger geöffnet. Eigentlich war für den gestrigen Sonntag ein großes Fest geplant. Das sagte der Kirchenvorstand jedoch wegen der Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus ab. Die Feier soll im Sommer nachgeholt werden, sagt Wolfgang Bender, Geschäftsführer im Kirchenvorstand. 3,5 Millionen Euro plus 400 000 Euro für die Außenanlagen – „damit werden wir vermutlich wie geplant hinkommen“, sagte Bender bei einer Exklusivführung durch die neuen Räume.

70 Prozent gibt das Bistum Köln zu den Kosten, 30 Prozent trägt die finanzkräftige Gemeinde selbst. „Wir haben noch mal Glück gehabt. Nach uns werden solche Projekte vom Bistum vermutlich nicht mehr bezuschusst“, sagt Bender.

Acht katholische Ex-Pfarreien unter dem Dach der Pfarre St. Josef und Martin haben Zugriff auf das wunderschöne Gebäude im Stadtzentrum. Ein „Ankerplatz“ für alle soll das zweistöckige Haus sein; der Name war in einem Wettberwerb der Gemeinde gesucht und von einer Jury so festgelegt worden.

Die Öffnung nach außen, die die Kirchengemeinde sehr konsequent vorantreibt, spiegelt sich in der Architektur wider. Fast alle Räume haben bodenhohe Fenster und im Parterre einen Austritt nach draußen. Im Sommer soll der Platz zwischen Kirche und Gemeindezentrum unter Sonnenschirmen zum Rasten einladen.

Derzeit zeigt ein großzügiger Blick von draußen nach drinnen, ob es sich eventuell lohnt, mal spontan beispielsweise am „Pier 17“ anzudocken, zu reden und einen Kaffee zu trinken. Ein Geistlicher wird immer als Gesprächspartner anwesend sein. Auch abends soll das Gemeindehaus geöffnet sein. Es gibt ein Trauercafé. „Wir wollen helfen und Ängste nehmen und das sehr niederschwellig“, sagt Bender. Und man findet einen einladenden Raum der Stille. Seit Mitte voriger Woche sind schon die drei Sekretariate im Neubau besetzt. Ganz zur Freude von Empfangsdame Heike Bauer, die die Besucher begrüßt, bevor sie sie an die Kolleginnen weiterleitet. „Ja“, sagt sie hinter ihrem schönen halbrunden Holztresen, „das ist einfach ganz toll hier.“

Sehr gelungen ist die Architekten-Idee, ein Stück Ziegelwand des benachbarten alten Pfarrhauses in die Innenansicht zu integrieren. Derzeit wird noch an einem Durchgang gearbeitet. Das alte Haus wird als katholische Bücherei genutzt. Auch die erste Chorprobe hat schon stattgefunden. „Modernste Technik wurde vorinstalliert“, sagt Bender. Der einladende helle Saal im ersten Stock hat 100 Sitzplätze und kann bei Bedarf noch um 50 Plätze durch Öffnen der Schiebetüren zum Foyer erweitert werden. „Wir haben so viele Kirchenchöre, die können alle hier proben. Das wird gut ausgelastet sein“, sagt Bender ein wenig stolz. Viele Räume sind mit großen Bildschirmen ausgestattet. Und natürlich mit W-Lan. Es gibt Lagerräume, Technikräume, eine gut ausgestattete Küche, Verwaltungsbüros, Tagungsräume für die Kirchengremien. Zum Beispiel den Corona-Krisenstab, der in diesen Tagen beschließen muss, ob es in der nächsten Woche noch Gottesdienste gibt und was mit der Erstkommunion wird. „Das entscheiden wir natürlich im größeren Verbund“, sagt Bender. „Ohne die fachliche Hilfe vieler hilfreicher Experten in der Gemeinde hätten wir so ein Projekt nie stemmen können“, betont der Mann, der von der ersten Stunde an mit dabei war. Tischler, Elektriker, Dachdecker, Bauunternehmer – alle haben ihr Knowhow beigesteuert. Einige Probleme haben die Verantwortlichen der Gemeinde St. Josef wohl noch zu stemmen. Die Nachfolge von Pfarrer Stephan Weißkopf ist noch nicht geklärt. „Ich hoffe, das wird im Herbst der Fall sein. Zum Glück sind wir eine Gemeinde, die immer mit wenig Leitung zurechtkam“, so Bender. Der Mai steht noch unter der besonderen Überschrift „Kirchenschlüssel“. „Dann wollen wir nach draußen gehen an ungewöhnliche Orte. Morgens am Bahnhof Croissants verteilen. Mittags zum Imbiss bei Firmen sein, ein Männerfrühstück anbieten und große Gottesdienste im Freien – zum Beispiel an der Wasserski-Anlage – veranstalten. 100 Einzelaktionen sind geplant“, berichtet Bender. Ob sie allerdings angesichts des Coronavirus stattfinden können, ist sehr unsicher.