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Hilden: Diese Rentner denken nicht ans Aufhören

Seniorendienste Hilden : Diese Rentner geben weiter alles

Der Wunsch nach Beschäftigung ist bei vielen Menschen auch im Rentenalter groß. Bei den Seniorendiensten Hilden gibt es viele Mitarbeiter, die zahlreiche Tätigkeiten auch über die Altersgrenze hinaus übernehmen – beispielsweise beim Frühstück.

(isf) Jeden Morgen fängt Karin Westphal um 6.30 Uhr im Seniorenzentrum der Stadt Hilden am Erikaweg an, bereitet das Frühstück vor, deckt Tische ein und hilft Bewohnern beim Brötchen schmieren oder Äpfel schälen. Seit mittlerweile 20 Jahren macht sie das und das auch jetzt noch an fünf Tagen die Woche, obwohl sie bereits seit fast sieben Jahren in Rente ist. „Ich bin fit. Warum soll ich etwas anderes machen?“, fragt die bald 72-Jährige. Etwas anderes vorstellen kann sie sich jedenfalls nicht.

Bernhard Meinunger hingegen ist gelernter Bankkaufmann, 30 Jahre lang war er als Devisenmakler in Düsseldorf tätig. Inzwischen gehört er dem Team der Haustechnik am Seniorenzentrum Hummelsterstraße an. Vor zehn Jahren hatte sich der 72-Jährige auf eine Stellenanzeige beworben. Das war ein Jahr nach seinem Renteneintritt. „Ich habe kein großes Hobby, das ausfüllt. Ich wollte irgendwas machen, das mir Freude bereitet“, berichtet Meinunger. „Und mit der Bohrmaschine umgehen konnte ich auch.“

Zehn Rentner sind in unterschiedlichen Bereichen tätig

 Bernhard Meinunger ist beim Team der Haustechnik im Seniorenheim Hummelsterstraße tätig.
Bernhard Meinunger ist beim Team der Haustechnik im Seniorenheim Hummelsterstraße tätig. Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Seine Tätigkeiten sind vielfältig, angefangen von Bewohner zum Arzt fahren, Krankenkassenkärtchen spazieren fahren, Glühbirnen auswechseln bis hin zum Hof kehren. „Nur Bettentransporte müssen nicht mehr sein. Das merke ich dann noch drei Tage später im Rücken“, sagt er. „Ich suche mir die Arbeit aus, die ich noch erledigen kann.“

Die Seniorendienste Stadt Hilden sind eine gemeinnützige Gesellschaft im hundertprozentigen Eigentum der Stadt Hilden. Dazu gehören insgesamt zwei Seniorenheime, am Erikaweg und an der Hummelsterstraße, die ein vielfältiges Leistungsspektrum von stationärer Pflege, Kurzzeitpflege, Tagespflege und Seniorenwohnungen anbieten. Dort sind derzeit zehn Rentner in unterschiedlichen Bereichen beschäftigt – von der Pflege über Küche und Haustechnik bis hin zum Fahrer.

Ob die Zahl der Menschen gestiegen ist, die als Rentner in den Seniorenheimen beschäftigt sind, dazu liegen den Seniorendiensten keine Zahlen vor. „Gefühlt würde ich aber sagen, dass die Zahl leicht steigend ist“, sagt Beate Linz-Eßer, Geschäftsführerin der Seniorendienste.

Auch Karin Westphal merkt, dass nicht mehr alles so schnell geht wie vor 20 Jahren als sie im Seniorenheim Erikaweg als Hauswirtschafterin angefangen hat. Zuvor war sie als Verkäuferin und Bürokauffrau tätig.

Mittlerweile arbeitet die Küchenkraft nur noch vier Stunden pro Tag, und auch Wechselschichten mache sie nur noch ganz selten. Am liebsten seien ihr die Frühschichten. „Ich weiß, welcher Bewohner Kaffee, welcher Tee trinkt, wer beim Brötchenschmieren Hilfe braucht und womit ich welchem Bewohner eine Freude bereiten kann. Ich betüddel die Leute unheimlich gern, und dafür bekommt man auch viel positive Resonanz zurück“, erzählt die Seniorin – insbesondere, da sie manche der Bewohner schon lange kennt. Westphal lebt allein, und auch wenn ihre Familie in der Nähe lebt, gibt es ihr ein gutes Gefühl, wenn sie im Seniorenheim den Menschen helfen kann. „Letztens hatte ich 14 Tage Urlaub, da war ich doch froh, wieder hier zu sein“, erzählt sie. Zu Hause liest sie gern, macht Kreuzworträtsel oder kümmert sich um ihre Familie. Nicht zuletzt, bessert sie sich mit dem Einkommen ihre Rente auf.

Rentner hat an den
neuen Aufgaben Spaß

Auch wenn seine jetzige Tätigkeit etwas ganz anders ist als vor der Rente, macht sie Bernhard Meinunger Spaß. „Morgens weiß ich meist nicht, was mittags los ist, ob ich einer Bewohnerin eine Tasche ins Krankenhaus nachbringen muss oder ob eine Glühbirne im Badezimmer defekt ist“, sagt er. Vor der Corona-Pandemie schätzte er auch den Kontakt mit den Bewohnern: „Manchmal habe ich mich einfach zu ihnen gesetzt, und ein bisschen mit ihnen geredet. Viele der Bewohner brauchen das einfach.“ Durch die Pandemie seien die Kontakte aufs Minimum reduziert worden, die meisten Kontakte finden da noch bei seinen Fahrten zum Arzt statt.

Mit 72 Jahren fühlen sich Westphal und Meinunger beide noch fit, treiben beide Rehasport und kümmern sich um die Enkel. Beide wissen aber auch, dass das Alter nicht immer eine Rolle spielt. Auch in ihrem Alter können Menschen bereits bettlägerig sein. Genauso gibt es im Seniorenheim 100-Jährige, die auch geistig noch fit sind. Ans Aufzuhören ist für beide zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu denken – auch wenn beim einen vielleicht das ein oder andere Wehwehchen dazugekommen ist. „Wer weiß, vielleicht hocke ich auch noch bis 80 hier“, sagt Karin Westphal und lacht.

(isf)