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Derya Schneller und „Scotty“ retten Vermissten (84)

Erkrath : Derya und Scotty finden Vermissten

Ein 84-jähriger Demenzkranker wurde am Freitag vermisst. Die Erkratherin Derya Schneller und ihr Spürhund retteten ihn.

Es war Rettung in buchstäblich letzter Minute, sagt die Polizei: Der 84-Jährige war bereits stark unterkühlt, als Derya Schneller und ihr Spürhund (Mantrailer) Scotty am Freitag, 7. Februar, gegen 21.30 Uhr den Mann in einem Gebüsch in der Nähe seines Seniorenheims in Monheim fanden. „Die Tochter des alten Herrn hat vor Freude und Erleichterung geweint, dass ihr Vater wieder da war“, erzählt die Hundeführerin der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Haan. Der Demenzkranke kam sofort ins Krankenhaus.

Auch die Kreispolizei Mettmann ist erleichtert: „Wir bedanken uns noch einmal ausdrücklich für die tatkräftige Hilfe (...) bei dem englischen Cocker-Spaniel Scotty sowie seiner Hundeführerin Derya Schneller.“ Die Beamten hatten mit großem Aufwand bereits mehr als zweieinhalb Stunden nach dem vermissten Senior gesucht (Verwandte und Heimbelegschaft viereinhalb Stunden), auch mit Unterstützung eines Polizeihubschraubers, der unter anderem eine Wärmebildkamera an Bord hatte.

Trotz ausgefeilter Technik hatte Scotty wieder mal die Nase vorn. Im doppelten Wortsinn: Seine Nase hat bis zu 300 Millionen Riechzellen – und damit bis zu 60 Mal mehr Rezeptoren als der Mensch. Die Fläche der Riechschleimhaut des Hundes ist mit 200 Quadratzentimetern zehnmal so groß wie die eines Menschen. Hunde können mehr als drei Meter tief in den Boden und etwa acht Meter in eine geschlossene Schneedecken hinein riechen.

„Ich wollte Scotty artgerecht beschäftigen“, erzählt die Tierfreundin. So entdeckte sie schon früh die besonders feine Nase ihres Cocker-Spaniels: „Er hat schon immer gerne Spuren verfolgt. Das haben wir dann spielerisch ausgebaut.“ Die DLRG Haan hat eine Gruppe für Rettungshunde. „Wir sind ungefähr 15 Hundehalter und trainieren zweimal die Woche“, berichtet die Informatikerin: „Immer an verschiedenen Orten, damit die Hunde verschiedene Gegebenheiten kennen lernen.“ Bis zum ersten Einsatz sei es ein langer Weg: „Wir Hundeführer und unsere Tiere müssen viele Prüfungen ablegen. Wir müssen Karten lesen können, um uns zu orientieren, funken lernen und den Rettungsschwimmer ablegen.“

Suchhund-Teams haben Einsätze zur jeder Tages- und Nachtzeit

Die ausgebildeten Teams nimmt die Landesleitstelle der Polizei in Duisburg dann in ihre Kartei auf. „Wenn ein Mensch vermisst wird, schaut man dort nach, ob ein Suchhund-Team in der Nähe ist und Zeit hat.“ Einsätze gebe es zu jeder Tages- und Nachtzeit. Dabei arbeiten Derya Schneller und ihre Kameraden ehrenamtlich. Scotty hat schon eine Supernase. Aber wenn die Gesuchten in einen Bus oder eine Bahn einsteigen, kann auch er ihre Spur nicht mehr verfolgen. „Das passiert in der Stadt häufig“, erzählt die engagierte Hundeführerin: „Erst am Samstag ist uns das in Velbert passiert. Der Gesuchte ist in den Zug nach Dortmund gestiegen, dort zum Glück aber gefunden worden.“ Ganz wichtig: Nach jeder Suchaktion muss Scotty belohnt werden – damit er nicht die Lust verliert. Einige Hundeführer spielen dann intensiv mit ihren Vierbeinern. Scotty dagegen steht auf Leckerlis. „Lachs, Käse oder Fleischwurst, er mag eigentlich alles“, lacht Derya Schneller.

Sie bekommt viel Lob und Motivation von ihrer Familie und ihren Freunden: „Sie finden meine Arbeit toll und unterstützen mich. Wir machen das wirklich sehr gern.“ Ihr Sohn Demian (18) engagiert sich auch ehrenamtlich im Rettungsdienst und macht eine Ausbildung zum Notfallsanitäter. „Demian hat mich begleitet, als wir am Freitag nach dem vermissten 84-Jährigen gesucht haben“, erzählt Schneller: „Er hat Erste Hilfe geleistet.“ Und dann spürt man, wie stolz sie auf ihren Sohn ist.