Bundespreis ehrt Erkrather Pflegescouts

Erkrath : Pflege-Scouts erhalten für ihr Engagement Verbraucherpreis

Die Projektgruppe berät zu wichtigen Pflegethemen in Erkrath und Monheim und möchte in Mettmann aktiv werden.

Seit gut einem Jahr sind die Pflege-Scouts in Erkrath und Monheim aktiv. Sie sind eine Projektgruppe, die sich innerhalb der „Arbeitsgemeinschaft der Verbraucher im Kreis Mettmann“ gegründet hat. Vor kurzem wurden die inzwischen elf ehrenamtlich Tätigen, nur ein Jahr später, in Berlin mit dem „Bundespreis Verbraucherschutz“ ausgezeichnet. Ein Erfolg.

„Wir sind sehr stolz, dass unser in der Bundesrepublik einzigartiges Angebot schon nach einer so kurzen Zeit diese tolle Auszeichnung erhalten hat“, sagt Erwin Knebel, Vorsitzender des Vereins und freut sich gemeinsam mit seinen beiden Mitstreitern, Ehefrau Elisabeth und Otto Berger. Letztere dürften viele Mettmannern noch als ehemaligen Verwaltungschef der Kreispolizeibehörde kennen. Beide arbeiten vornehmlich in Erkrath als Pflege-Scouts.

Doch was genau macht ein Pflege-Scout? „Wenn der Besuch des Medizinischen Dienstes ansteht (MdK), in dessen Verlauf dessen Mitarbeiter feststellen sollen, ob der Antrag auf Erteilung eines Pflegegrads gerechtfertigt ist, sind viele unsicher oder haben Angst, etwas falsch zu machen“, erklärt Otto Berger, der schon an vielen Terminen zur „moralischen Unterstützung“ dabei war und auch schon einmal eingreift, wenn der MdK-Mitarbeiter etwas Falsches ins Protokoll schreiben wollte. Doch genau wie das Ehepaar Knebel betont er, dass Pflege-Scouts nur in den Städten des Kreises zum Einsatz kommen, in denen eine Kooperation mit der zuständigen Stelle bei der Stadtverwaltung besteht.

„Leider haben wir bisher nur mit Monheim und Erkrath einen Kooperationsvertag schließen können. Und in beiden Städten laufen demnächst die Förderprogramme aus, mit denen wir unsere Arbeit finanzieren“, sagt Erwin Knebel. Umso mehr freut es ihn, dass er nun in Mettmann zur Sitzung des Ausschusses für Soziales den Ratsmitgliedern die Arbeit der Pflege-Scouts vorzustellen darf. „Wir würden uns natürlich freuen, wenn sich daraus eine Kooperation wie in den Nachbarstädten ergibt“, hofft besonders der in der Kreisstadt lebende Otto Kern.

„Oft nehmen erst einmal die Angehörigen Kontakt zu uns auf, wenn sie feststellen, dass ein Familienmitglied pflegebedürftig wird“, berichtet Elisabeth Knebel von ihrer Arbeit. „Viele Betroffene scheuen vor dem Eingeständnis zurück, nicht mehr alles allein machen zu können“. Dann besuchen die Pflege-Scouts zusammen mit den Angehörigen die Person, die Hilfe bei der täglichen Hygiene oder auch beim Reinigen der Wohnung benötigt, und erklären die Vorteile, die mit der Einstufung mit einem Pflegegrad einhergehen.

Wenn die Betroffenen sich dann einverstanden erklären, helfen die Pflege-Scouts gern auch beim Ausfüllen des Antrags. Sie üben, wie der Besuch des MdK abläuft. Denn dabei gibt es viele Stolperfallen: Geben sich ältere Menschen, vielleicht aus falsch verstandenem Stolz, selbstständiger als sie tatsächlich sind, bleibt ihnen die dringend benötigte Hilfe versagt. „Wir stellen genau die Fragen, die der Mdk-Mitarbeiter auch stellt und trainieren die Antworten. Diese sind standardisiert und öffentlich zugänglich“, erläutert Otto Kern. Wenn dann der – hoffentlich – positive Bescheid kommt, kommen die Scouts auf Wunsch auch noch einmal vorbei und erklären, welche Leistungen dem Antragssteller bewilligt wurden.

Die Pflege-Scouts wollen nun mit weiteren Städten im Kreis Kooperationen schließen. Außerdem können sie beim Unterhalt der Website und dem Ausbau der Präsenz in den sozialen Netzwerken sowie der Verwaltungsarbeit (Terminkoordinierung) noch ehrenamtliche Helfer gebrauchen. Und auch weitere Pflege-Scouts sind willkommen, die ausführlich geschult werden würden, bevor sie ihren ersten Termin wahrnehmen.