Ein Ausbildungsplatz auf den letzten Drücker

Ein Ausbildungsplatz auf den letzten Drücker

Eine Auszubildende sagte kurzfristig ihre Stelle bei dem Zahnarzt Uwe Steinhaus ab. Die Agentur für Arbeit hilft unbürokratisch.

Krefeld. Der Ausbildungsvertrag ist unterschrieben, aber die Bewerberin für die Stelle als zahnmedizinische Fachangestellte erscheint nicht zur Arbeit und meldet sich auch an den darauffolgenden Tagen nicht. Vor dieser misslichen Situation stand Zahnarzt und Implantologe Dr. Uwe Steinhaus in seiner Bockumer Praxis. Ihm blieb nur die Kündigung.

„Wir brauchten aber dringend eine Auszubildende“, so der Arzt, der bereits zum zehnten Mal eine Lehrstelle besetzt. Für solche Notfälle unterhält die Agentur für Arbeit einen Arbeitgeber-Service. Ein Anruf bei Vermittlerin Heidrun Menzel setzte sofort die Suche nach einem Ersatz in Gang.

„Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit unseren Berufsberatern, die den direkten Kontakt zu den Jugendlichen pflegen“, erläutert Menzel. Innerhalb weniger Tage meldeten sich daraufhin 15 Bewerberinnen in der Praxis. „Ich war über so viel Interesse überrascht“, sagt Steinhaus.

Kurzfristig wurde mit mehreren Bewerberinnen ein Probetag vereinbart. Das genüge zwar nicht, um sich richtig kennenzulernen, verschaffe aber einen ersten Eindruck und ein Gefühl dafür, ob die Kandidatin zum Praxis-Team passe. Die Wahl fiel auf Nicoletta Modlinski. Gestern wurde der Ausbildungsvertrag unterzeichnet, heute tritt die 19-Jährige bereits ihren Dienst an. „Mit dem Service der Arbeitsagentur bin ich rundum zufrieden“, so Steinhaus.

Kurzfristige Absagen kommen leider häufiger vor. „Dafür gibt es eine Vielzahl von Gründen“, sagt Ingo Zielonkowsky. Zum Beispiel könnten die besten Auszubildenden oft unter mehreren Angeboten wählen, so der Chef der Arbeitsagentur.

Aktuell suchen auf dem Krefelder Ausbildungsmarkt noch rund 650 junge Menschen eine Lehrstelle. Einige davon sind auch erneut auf der Suche, weil es im ursprünglich angestrebten Beruf oder beim gewählten Ausbildungsbetrieb nicht passt. Auch das seien attraktive Kandidaten für viele Betriebe. Die Chancen auf eine Lehrstelle sind gut, wenn man flexibel ist, denn in der Gastronomie, der Lebensmitteltechnik und in den Metallberufen sind noch viele Plätze frei.

Bis Ende September soll allen Bewerbern ein Ausbildungsangebot oder eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme angeboten werden. Die „Last-Minute-Vermittlung“ von Ausbildungsplätzen laufe bei der Arbeitsagentur derzeit auf Hochtouren.

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