Zoll warnt vor „Schnäppchen“

Zoll warnt vor „Schnäppchen“

Das Hauptzollamt zeigt in Halle 1 Beispiele von Produktpiraterie und Fälschung. Auch Internethandel ist betroffen.

Krefeld. Gefälscht wird alles, wofür es einen Markt gibt: Mit dieser Aussage präsentiert Alwin Bogan Fälschungen der verschiedensten Arten.

Der Pressesprecher des Hauptzollamtes Krefeld hält eine teure Marken-Armatur fürs Becken neben einer gefälschten, da steht die Edel-Kaffeekanne neben einem Plagiat, optisch nicht voneinander zu unterscheiden.

Wenn man die Kannen hochhebt, wird der Unterschied beim Gewicht allerdings klar. Selbst vor Gartenzwergen machen die Produktpiraten keinen Halt.

In Halle 1, Stand 105, informiert der Zoll auf der Rheinischen Landesausstellung über Produktpiraterei, Fälschungen und Plagiate. „Was vielen wie ein Schnäppchen vorkommen mag, entpuppt sich schnell als billige Fälschung — und die billige Nachbildung ist oft ihr Geld nicht wert“, sagt Bogan.

Und warnt vor allem vor solchen Käufen im Urlaub, egal ob Markenarmbanduhr, Designerhandtasche bis hin zur Luxussonnenbrille zu verdächtig niedrigen Preisen angeboten werden.

Reingelegt werden kann man nicht nur beim realen Kauf. „Dank des riesigen Warenangebotes im Internet gelangen gefälschte Produkte mittlerweile sogar per Post nach Hause. Doch genauso wie auf realen Marktplätzen gibt es auch im Internethandel schwarze Schafe“, mahnt Bogan zur Vorsicht.

Neben Produktpiraterie, Fäschung oder Plagiat gibt es auch die unerlaubten Parallelimporte: Produkte, die der Originalhersteller für einen bestimmten Markt, z.B. die USA, produziert und die dann gegen seinen Willen nach Deutschland eingeführt werden. Der Zoll beschlagnahmt dann diese Ware. Möglich sind auch Schadensersatzforderungen des Originalherstellers, der die Ware vernichten lassen kann.

Tätig werden die Zollbeamten an den Umschlagplätzen der Container mit Waren, zum Beispiel in Häfen oder auch bei den Zollämtern, wo Ware verzollt wird. Bogan betont, dass es neben dem Ärger beim Kauf von Fälschungen noch gravierendere Folgen gibt:

„Giftige Farben und Rückstände, Bremsbeläge aus Torf, mangelnde Dämpfung bei Sportschuhen, Rückstände verbotener Insektenvertilgungsmittel in Textilien, gepanschte Cremes — es gibt fast nichts, was wir nicht schon beschlagnahmt haben. Rigoroses Vorgehen gegen Produktpiraterie ist doppelt sinnvoll: zum Schutz des Verbrauchers und der Wirtschaft.“

Seit 1995 (506 Fälle) bis 2010 (23 713) hat sich die Zahl der Aufgriffe massiv vervielfacht, auch weil der Zoll intensiver kontrolliert. Bogan hat noch weitere Zahlen: 78,5 Prozent der im Jahr 2010 aufgegriffenen Fälschungen kamen aus China, 5,5 aus Italien, 4,4 aus Hongkong.

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