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Über das Grauen der Krefelder Bombennacht

Über das Grauen der Krefelder Bombennacht

Gottfried Elfes gehört zu den Überlebenden und berichtet in der VHS bewegend von seinen Erlebnissen.

Krefeld. „Josef Sprenger, mein Großvater, war durch eine Phosphorbombe total verbrannt und auf eine Größe von einem Meter geschrumpft.“ Gottfried Elfes berichtet in der Volkhochschule vom Grauen der Bombennacht vom 21. auf den 22. Juni 1943. Zwei Drittel der Stadt wurden vor fast genau 70 Jahren zerstört, mehr als 1000 Menschen fanden den Tod und geschätzte 80 000 Bürger waren danach obdachlos.

Das Inferno, das die über 700 alliierten Bomber auslösten, schlug besonders brutal im Krefelder Norden zu. „Friedel“ Elfes wohnte auf der Inrather Straße 300. Mit seiner Mutter Margarethe wurde er im Luftschutzkeller des Hauses nach Bombentreffern eingeschlossen. Elfes: „Wir saßen im Keller fest. Der Staub erstickte uns fast, obwohl wir alle Gasmasken auf hatten.“ Bevor das Haus völlig zusammenstürzte, gelang es ihm und seiner Mutter, durch Mauerdurchbrüche im Keller und das Hinterhaus der sogenannten Steegerbauten (Nr. 284 bis 288) ins Freie zu gelangen.

„Meine Mutter hatte nur eine Einkaufstasche mit Wäsche und Papieren retten können — sonst nichts“, erzählt der heutige Stadtführer. Gegenüber war von dem stattlichen Weiligmannhof nichts mehr übrig. Alle Bewohner seien darin umgekommen, berichtet Elfes vor der Runde der Westdeutschen Familienkundegesellschaft. Der Staub im Keller, das Tosen der Bomben und der Flugzeuge, die lodernden Brände und die Hitze hatten in dem damals drei Jahre alten Gottfried ein schweres Syndrom ausgelöst. „Meine Mutter hat mir später erzählt, dass ich meine Kindergasmaske zwei Wochen lang nicht mehr aus der Hand legte. Alle Versuche, mich dazu zu bewegen, schlugen fehl.“

Damit war aber die Leidensgeschichte von Gottfried Elfes noch lange nicht beendet. Auch nach dem 22. Juni folgen weitere Bombenangriffe auf die Stadt. Drei Wochen verbrachten Elfes und seine Mutter im Hochbunker an der Inrather Straße, nahe der Pauluskirche. Der Bunker war eine von 24 Großanlagen, die es in Krefeld damals gab. Ausgelegt war er für 4500 Schutzsuchende.

Aber er war total überfüllt. Nachdem die Wasserreserven verbraucht waren, konnte sich niemand mehr waschen, niemand mehr die Toiletten im Bunker benutzen. „Wir haben die Notdurft dann rund um den Bunker verrichtet“, schildert Elfes. „Dort hat es bestialisch gestunken.“

Er selbst hat sich im Bunker die Krätze geholt. Die Behandlung war ebenso brutal wie erfolgreich: „Ich musste mich nackt auf einen Stuhl stellen und dann wurde ich von Kopf bis Fuß mit Waschbenzin abgerieben. Das brannte zwar höllisch, war aber wirkungsvoll.“