Textilbranche klagt über steigende Energiekosten

Textilbranche klagt über steigende Energiekosten

Fachleute tagten bei der Firma Verseidag-Indutex mit Wirtschaftsminister Harry K. Voigtsberger.

Krefeld. Obwohl sich die Textil- und Bekleidungswirtschaft in Nordrhein-Westfalen zum Oktober 2010 von der Wirtschafts- und Finanzkrise erholt zeigt, bleibt der Branche noch eine Reihe von Problemen. Dazu zählen die steigenden Energiekosten durch die EEG-Umlage (Erneuerbare-Energien-Gesetz). Diese Umlage wirke sich immer massiver auf die Wettbewerbsfähigkeit der Textilwirtschaft aus, sagten gestern Unternehmer beim „ZiTex-Branchengespräch“ mit NRW-Wirtschaftsminister Harry K. Voigtsberger in den Räumen der Verseidag-Indutex.

Klaus Huneke, Beiratsvorsitzender von „ZiTex“ und Geschäftsführer der Textilfirma Heimbach in Düren, nannte Zahlen: Die Steigerung der Umlage aus dem EEG im Jahr 2010 von 2,05 Cent pro Kilowattstunde (kWh) auf 3,5 Cent sei eine Erhöhung um 70 Prozent, die die Unternehmen erheblich belaste. Insgesamt betrage die Umlage für ein durchschnittliches Unternehmen mittlerweile ein Prozent des Jahresumsatzes: „Das sind substanzielle Beträge, die wir schultern müssen“, sagte Huneke. „Dies schwächt die deutsche Industrie im internationalen Wettbewerb massiv.“ Werde durch den Gesetzgeber nicht nachgebessert, stehe die Wettbewerbsfähigkeit im produzierenden Gewerbe in Deutschland in den nächsten Jahren auf dem Spiel.

Probleme sieht die Branche auch bei der Förder- und Innovationspolitik des Landes. Aufrufe zu Innovations-Wettbewerben erfolgten maximal jährlich und benötigten in der Bewertungs- und Bewilligungsphase bis zu 16 Monate. Diese lange Zeitspanne sei nicht im Sinne einer Innovationsförderung.

Justus Schmitz, Geschäftsführer der Schmitz-Werke Emsdetten, beklagte eine Benachteiligung bei der Förderpolitik von EU, Bundesregierung und Bundesländer: Kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) haben per Definition eine Mitarbeiterzahl bis 249 und einen Jahresumsatz von 50 Millionen Euro. Danach gebe es keine Einteilungsstufe mehr, die nächste sei die der Großfirma, egal, ob sie 250 oder 2000 Mitarbeiter habe: „Dadurch werden Firmen mit 250 bis 999 Mitarbeitern stark benachteiligt“, sagte Schmitz. Die Branche fordere einen „Förderschwerpunkt Mittelstand“.

Rolf A. Königs, Chef der Aunde-Gruppe Mönchengladbach, schlug dem Minister vor, die NRW-Innovationspolitik in ein Innovationsmanagement umzuwandeln. Voigtsberger nahm aus dem Gepräch aber auch Positives mit: Die Textilbranche blickt vorsichtig positiv auf das noch junge Jahr 2011. Erwartet wird nach einer deutlichen Umsatzsteigerung 2010 eine weitere, allerdings erheblich moderatere Steigerung. Der Beschäftigungsrückgang dürfte 2011 abgebremst, aber vermutlich noch nicht völlig gestoppt werden.

Voigtsberger, zum ersten Mal in der Runde dabei, nannte die Textilbranche hochinnovativ und wichtig für das Land. Der Textilbereich in NRW mit 24 000 Beschäftigten erreiche einen Umsatz von fünf Milliarden Euro. Problem für die Tetilbranche aus seiner Sicht seien die Rohstoffe und die Energiekosten. Er betonte, dass er plane, ein neues Mittelstandsgesetz einzubringen.