Krefeld: Tausende feiern beim Folklorefest

Krefeld: Tausende feiern beim Folklorefest

Jetzt startet der Nachwuchs durch: Das 40. Folklorefest war ein Jubiläum mit Generationswechsel.

Krefeld. Davon können viele Eltern sicher gerade ein Lied singen: Die Rückkehr aus dem Sommerurlaub, das ganz normale nervenzehrende Drama bei der Fahrt und ein kleiner Kinderchor von der Rückbank des Autos: „Ich muss Pippi, Pommes, Schokoladeneis!“

Zaches & Zinnober treffen mit diesem Lied den Nerv des Publikums. Auch wenn es auf dem Platz an der Alten Kirche am Samstagnachmittag völlig entspannt zugeht. Das Kinderprogramm sorgt zwar für eine volle Bankreihe mit kleinen Zuhörern vor der Bühne, aber die Schar der Großen ist noch recht überschaubar. Um die Kirchenecke herum serviert anschließend das Duo Lauscher akustisch eher dezente Tafelmusik. Den Gesang begleitet Christine Walterscheid mit ihrer singenden Säge. Es ist für beide schwer, die Aufmerksamkeit des Publikums zu erlangen, das sich mehr mit den kulinarischen Spezialitäten aus vielen Ländern und seiner Gesellschaft an den Tischen beschäftigt. Doch ein aufmerksamer wie kenntnisreicher Zuhörer sorgt dafür, dass das Melodienraten von der Kirchentreppe dem Musikerduo noch kleine Erfolgserlebnisse verschafft.

Überall auf dem Festgelände wieseln beim 40. Folklorefestival die Erdmännchen herum. Das Mottotier ist Werbeträger der Jubiläumsausgabe. Die T-Shirts mit den possierlichen Tierchen sind schnell vergriffen, was auch Gudrun Helms aus Traar feststellen muss. „Mein Enkel Tobi ist in die Erdmännchen-Klasse gekommen und da wollte ich ihm dieses T-Shirt schenken. Aber leider konnte ich schon am ersten Tag kein passendes mehr bekommen“, klagt sie und greift zu einer größeren Nummer, in die ihr Enkel sicher hineinwachsen wird.

Auf der Hauptbühne wird es wieder lebendig, denn die Schäng Blasius Flönz Rakete startet. Es kommt gleich richtig Leben auf den Platz, der sich schnell füllt — auch wenn ein Song über eine Nacktschnecke das nicht unbedingt erwarten lässt. Mit ihren schwungvollen bis fetzigen Liedern auf Krieewelsch lösen sie selbst bei den Jüngsten im Publikum musikalische Reflexe aus. Da sieht man hier aus den Kinderwagen im Takt wippende Füßchen und dort eine abgeschmuste Puppe, die kleine Mädchenhände rhythmisch tanzen lassen. Für erste Bühnenerfahrung des Nachwuchses bietet das Folklorefest auch eine Gelegenheit, denn mit den Großen zusammen dürfen sie ins Rampenlicht für den letzten Song der Niederrheiner.

Anschließend wird es feierlicher. Denn eigentlich schon mitten im Folklorefest eröffnet Oberbürgermeister Frank Meyer dieses dann auch offiziell. Er lobt die mittlerweile traditionsreiche Veranstaltung: „Sie ist eine tolle Gelegenheit am Ende der Ferien, sich zu treffen“, sagt er und in Richtung des großen Teams von Initiatoren und Aktiven, die mit ihrem ehrenamtlichen Einsatz das Festival zu einem erfolgreichen Ereignis machen: „Ihr seid ein ganz wichtiges Stück Krefeld.“ Zum 40. Jubiläum gibt’s eine kleine Kunststoffstele sowie einen Scheck, gestiftet von der Sparkasse Krefeld. 31 Helfer und Unterstützer des Folklorefests erhalten als Dank die Jubiläums-Chronik.

Dann kündigt Moderator Helmut Wenderoth den Mann an, der die „nächsten 500, 600 Jahre“ das Folklorefest moderieren soll. Es ist Johannes Floehr, der dann auch gleich das Mikrofon und seine neue Aufgabe übernimmt.

Mit den Musikern von Apparatschik wird es unterhaltsam auf dem Platz. Ihre schwungvollen russischen Klänge bringen das Publikum in Schwung. Nicht nur am Rand des Platzes, wo es noch Lücken und Durchgänge gibt, sondern auch mitten in der Menge kann man beobachten, wie Eltern mit ihren kleinen Kindern auf den Schultern, im Arm oder im Wickeltuch voller Begeisterung tanzen. Der Nachwuchs für das Folklorefest wird hier eingenordet.

Über den Generationenwechsel am Mikrofon der Festivalbühne freut sich auch der frisch gebackene „Moderations-Rentner“ Wenderoth. „Es ist so cool und ich finde es klasse, Platz zu machen, wenn etwas richtig gut ist!“

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